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Interpersonale Kommunikation
Protokoll der Sitzung vom 10.11.08
Seminar: BAF.1022 Interpersonale Kommunikation
Dozentin: Prof. Dr. Gertraud Koch
Protokollanten: Joscha Lautner, Bastian Willner

1. Kurzübersicht der Stunde:

• Kommentar von Prof. Dr. Koch zur Illegalität des Mitschneidens von Lehrveranstaltungen.
• Kommentar von Prof. Dr. Koch zum Umfang des Essays. Zusätzlich zu den ⇒ „Ergänzenden Hinweisen
zum Essay“ darf das Essay wahlweise 1400 bzw. 2000 Worte umfassen.
• Das Protokoll der vorigen Woche wird von Tilmann Roth vorgetragen.⇒ Siehe Protokoll „Interkulturelle
Kommunikation“.
• Jenna Nenninger und Maike Herrmann präsentieren das Thesenpapier ⇒ „Begriffe der
Kommunikationsforschung – Kommunikation, Interaktivität, Interaktion“ und die anschließende Diskussion.

2. Einordnung in den Seminarkontext:

Während in den Theorien von z.B. Goffman, Watzlawick und Knoblauch die Analyse des
Kommunikationsprozesses und deren Bedingungen und Wirkungen im Fokus der Betrachtung standen, geht
diese Veranstaltung stärker auf die begriffliche und relationale Abgrenzung von Kommunikation gegenüber
Interaktivität ein.

3. Ergänzende Erläuterungen zum Thesenpapier: Mögliche Beziehungen zwischen Kommunikation und Interaktion

• Interaktion als Teilmenge von Kommunikation

o Kommunikation kann ohne Interaktion stattfinden.
o Jäckel: Interaktion beschränkt sich auf Face-to-Face Situation mit notwendiger Anwesenheit und
muss Mehrkanaligkeit besitzen
o Rafaeli: Bei interaktiver Kommunikation findet eine Bezugnahme auf frühere
Kommunikationshandlungen statt.

• Kommunikation als Teilmenge von Interaktion

o Burkart: Kommunikation findet nur durch wechselseitiges aufeinander Bezug nehmen in sozialen
Interaktionen statt.
o Burkhart: Interaktion besteht bereits durch das einseitige Senden und Empfangen ohne Feedback,
da das Verstehen der Botschaft schon als Interaktion verstanden wird.
o Schönhagen: Massenkommunikation ist nach Schönhagen interaktiv, da die Zuschauer in
begrenztem Maße über ein Medium das sie zu Wort kommen lässt auf die Medium reagieren
können und somit selbst zum Akteur werden.

• Schnittmenge zwischen Interaktion und Kommunikation

o Posner: Kommunikation und Interaktion können sowohl gemeinsam als auch getrennt auftreten
o Posner: Kommunikation setzt Intentionalität voraus auf Seiten des Senders und Wahrnehmen der
Intention auf Seiten des Empfängers.
o Posner: Interaktion setzt ein wechselseitiges Verhältnis von Sender und Empfänger zwischen
Personen voraus.

• Im Rezeptionsprozess findet Interaktion durch Selektion, Interpretation sowie Modifikation des
Empfangenen statt.

Zwischenfazit:

Interaktive Kommunikation benötigt eine zeitliche Folge sowie eine sachliche und soziale Bezugnahme.
Die Ansätze von Jäckel und Rafaeli, also Interaktion gesehen als spezifischer Kommunikationsverlauf,
werden auf Grund ihrer Zweckmäßigkeit für weitere theoretische Ansätze ausgewählt und im Folgenden mit
Luhmanns Systemtheorie verknüpft.

Einbettung in Luhmanns Systemtheorie:

Interaktion zwischen Anwesenden sind einfache Sozialsysteme und damit Interaktionssysteme nach
Luhmann.
Die Situation der doppelten Kontingenz entsteht in Interaktionssystemen da Unsicherheit über die Reaktion
des Anderen besteht, aber auch Unsicherheit über die Erwartungen des Anderen auf die eigenen Handlungen.
In Interaktionssystemen werden Themen geordnet und Beiträge zueinander in Verbindung gesetzt und
rückbezüglich zueinander vorgebracht. Diese Autopoieses erhält das Interaktionssystem am Leben

Begriffsabgrenzungen:

• Interaktivität vs. Interaktion

o Interaktivität bezeichnet das Potenzial eines Mediums zur Interaktion.
o Interaktion bezeichnet die realisierte Nutzung des Interaktivitätspotentials.

• Selektivität vs. Selektion

o Selektivität bezeichnet das Potenzial eines Mediums zwischen Inhalten zu wählen.
o Selektion bezeichnet den Prozess der Wahl.

• Maschine vs. Medium

o Ein Medium zeichnet sich idealtypisch dadurch aus, dass es den Input unverändert als Output
ausgibt. Es findet keine Veränderung des Inhaltes statt.
o Die Maschine bearbeitet und verändert den Input zu einem Output. Diese Veränderung ist
konsistent und reproduzierbar. Es handelt sich um ein festgelegtes Entscheidungsprogramm.
Es ist anzumerken, dass Maschinen notwendig sein können um Medien zu präsentieren.
Der Computer stellt eine Mischform aus Maschine und Medium dar. Somit rücken beide Begriffe in der
heutigen Zeit näher aneinander.

4.Diskussionsergebnisse:

• Wie Interaktiv kann man mit einer Maschine kommunizieren?

o Das Stellen einer Frage an ein Programm ist nicht interaktiv, solange Antworten linear vorgegeben
sind.
o Durch zunehmende Bezugnahme auf vorhergehende Kommunikation durch z.B. Produktvorschläge
basierend auf vorherigen Käufen entwickelt sich eine größere Interaktivität der Maschine, da die
Bedingung der Bezugnahme von Rafaeli erfüllt wird.

Das Programm ELIZA antwortet automatisiert auf Fragen der Nutzer. Es wurde 1966 von Joseph
Weizenbaum entwickelt, mit dem Ziel menschliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zu
ermöglichen.


o Die sich anpassenden Antworten und die Gegenfragen von Eliza werden von vielen Menschen zur
Problemlösung zu Rate gezogen. Damit erfüllt ELIZA zumindest in der allgemeinen Wahrnehmung
die Funktion eines Kommunikationspartners.

• Welche Auswirkungen hat die Weiterentwicklung der Medien auf den Interaktions- bzw.
Interaktivitätsbegriff?

o Neue Kommunikationsformen wie Videochat erweitern die der Gesellschaft zur Verfügung
stehende Interaktivität. Es wird eine Orts-unabhängige Face-to-Face Kommunikation möglich. Die
körperliche Präsenz wird durch technische Mittel simuliert und somit obsolet für
Interaktionsprozesse.
o Die Erweiterung ist aber nicht unbegrenzt, da technische Mittel nicht an jedem Ort und zu jeder Zeit
verfügbar ist.
Ausblick: In der Zukunft könnte eine neue Stufe der Interaktivität geschaffen werden, durch Maschinen,
die automatisiert für einen agieren auf Basis einer vollständigen Analyse des eigenen Charakters.
Anmerkung: Es bleibt ungeklärt ob hierfür die Frage nach einem freien Willen von Bedeutung sei.

5. Schlussgedanke:

• Die abschließende offene Frage welche neue Qualität von Interaktivität zu erwarten sei bzw. durch die
Entwicklung der Computer und des Internets bereits eingetreten ist, wird abschließend noch einmal als
Gedankenanstoß in die Runde gegeben.