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Begriffe der Kommunikationswissenschaft | Thesenpapier von Jenna NenningerBearbeiten

Interpersonale Kommunikation bei Prof. Dr. Gertraud Koch Thesenpapier zu der Präsentation vom 10.11.2008

Kommunikation, Interaktion, Interaktivität – Begriffe der Kommunikationswissenschaft Text von Christoph Neuberger (2007): Interaktivität, Interaktion, Internet- Eine Begriffsanalyse. In Publizistik, Heft 1, 52. Jahrgang. (Seiten 33-50)

EinleitungBearbeiten


Dieses Thesenpapier soll einen Überblick über die Varianten des Verhältnisses zwischen Interaktion und Kommunikation in der Kommunikationswissenschaften geben. Es orientiert sich an dem Text „Interaktivität, Interaktion, Internet“ von Christoph Neuberger.

Eingrenzende und ausgrenzende StrategieBearbeiten

1. These: „Man unterscheidet zwischen einer eingrenzenden und ausgrenzenden Strategie bei der Klärung des Interaktivitätsbegriffs“ (S. 34)


Die eingrenzende Strategie betreibt eher ein induktives Vorgehen mit der Sammlung und Sortierung der vielfältigen Definitionen und integriert mehrdimensionale Interaktivitätsbegriffe. Als Vertreter der eingrenzenden Startegie werden Goertz und Kiousis genannt. Kritikpunkte an der eingrenzenden Strategie sind, das hier eine reine Rekonstruktion der Gebrauchsweisen stattfindet und das die Begriffsdefinitionen nur eine geringe Präzision aufweisen. Andererseits besteht hier die Möglichkeit Interaktivitätsgrade abzustufen.
Die ausgrenzende Strategie definiert Interaktivität enger. Einerseits können danach technische Medien als interaktiv bezeichnet werden, andererseits auch spezifische Kommunikationssituationen (Face-to-Face-Kommunikation). „Grundkonsens“ (S. 36) über den Interaktionsbegriff herrscht in der Annahme, dass er auf den soziologischen Interaktivitätsbegriff zurückzuführen ist: „Der soziologische Interaktionsbegriff bezeichnet die Beziehung zwischen zwei und mehr Personen, die sich in ihrem Verhalten aneinander orientieren und sich gegenseitig wahrnehmen können. Interaktion beschreibt einen Handlungsablauf und die diesen konstituierenden Faktoren“ (S. 36, Jäckel)
 2. These: „So lässt sich in der Kommunikationswissenschaft für (fast) jede denkbare Beziehung ein Beleg finden, wie bereits Merten (1977) feststellte“ (S. 36)



Neuberger beschreibt hier die Schwäche der Kommunikationswissenschaften die auch in anderen Werken diskutiert wird. Maletzke beschreibt das „Angesichts des Umbruchs in der Kommunikationslandschaft […] muß die Kommunikationswissenschaft ihr Instrumentarium von Begriffen und Konzepten überprüfen und sicher in vielen Punkten auch korrigieren“ (Maletzke, 1998, S. 198)1. Es wird eine Lösung für die Definition von Interaktivität aufgezeigt. Der wechselseitige Interaktionsbegriff nach Rafaeli wird vorgeschlagen und in die Systemtheorie eingebettet. (vgl. Thesen 4 und 10). 




Ausgrenzende StrategieBearbeiten

3. These: „Interaktion als Teilmenge von Kommunikation“
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Hier wird zwischen einer spezifischen Kommunikationssituation und einem Kommunikationsverlauf unterschieden. Gemeinsam ist aber die Annahme, dass Kommunikation auch ohne Interaktion stattfinden kann. 



'4. These: „Interaktion ist auf Face-to-Face Kommunikation beschränkt“ (S. 36, Jäckel)'

Besteht keine Feedback Möglichkeit so ist die Kommunikation auch nicht interaktiv. Deshalb schließt Jäckel Massenkommunikation aus dem Interaktivitätskriterium aus. Ergänzt wird es durch Merten, der den Vorteil der direkten Kommunikation in ihrer Mehrkanaligkeit sieht. Nur in einer Face-to-Face Situation können metakommunikative Elemente übertragen werden. 
Kritisch merkt Neuberger an, dass die Eigenschaften die der Face-to-Face-Kommunikation zugeschrieben werden, oft nicht so vorhanden sind. „Anwesenheit als Kriterium geht über das Merkmal „Interaktion“ in der Kommunikation weit hinaus“ (S. 37) und „wird auch hier das Potenzial der Kommunikationssituation mit der tatsächlichen Kommunikation gleichgesetzt“ (S.37). Deshalb kann man nicht von jeder Kommunikation unter Anwesenden von interaktiver Kommunikation ausgehen.


5. These: „Entscheidend dass in der aktuellen Mitteilung eine Relation zu früheren Relationen zwischen Mitteilungen hergestellt wird.“ (S.38, Rafaeli) 

Es werden drei Typen zweiseitiger Kommunikation unterschieden:


1. Interaktive Kommunikation

Relationen zwischen früheren Mitteilungen werden angesprochen


2. Zweiseitig-reaktive Kommunikation

Einfacher Austausch, ohne Bezugnahme auf frühere Kommunikation


3. Einseitige Kommunikation

Neuberger greift diese Definition der wechselseitigen Kommunikation als Interaktion auf und arbeitet damit weiter da sie „prozessbezogen und theoretisch anschließbar ist“ (S. 39)



ZwischenfazitBearbeiten


Kommunikation kann auch ohne Interaktion stattfinden. Es wird zwischen Kommunikation unter Anwesenden (Jäckel) oder über interaktive Medien, wie Telefon und Computer, sowie einer wechselseitigen, auf frühere Mitteilungen bezugnehmende, Kommunikation (Rafaeli) unterschieden. Neuberger verwendet die wechselseitige Kommunikation nun als interaktiv im Sinne von Rafaeli.


6. These: „Kommunikation als Teilmenge von Interaktion“Bearbeiten


Kommunikation ist ein Teil von Interaktion und kann sich sowohl auf die intentionale Verständigung von Interaktion, als auch auf die interaktive Massenkommunikation beziehen.



7. These: Interaktion gilt als der allgemeinere Begriff, Kommunikation als eine „sehr ausgereifte Form sozialer Interaktion“. Soziale Interaktion ist ein „zwischen (wenigstens zwei) Partnern ablaufendes Geschehen […], in dem die jeweiligen Partner aufeinander bezogen handeln, d.h. also: Sie wirken aufeinander ein.“ (S. 39 f., Burkart)



Burkart betrachtet Kommunikation als eine sehr ausgereifte Form sozialer Interaktion. Soziale Interaktion ist ein zwischen Partnern ablaufendes Geschehen, in dem die jeweiligen Partner aufeinander bezogen handeln, aufeinander einwirken. Jede Kommunikation sei interaktiv, da Reziprozität bereits vorliegt, wenn das Ziel einer Verständigung erreicht sei. Feedback sei lediglich eine Erfolgskontrolle kommunikativen Handelns und damit keine Bedingung der interaktiven Kommunikation. Damit sei auch einseitige Massenkommunikation interaktiv. 
Schwachpunkt dieser Definition ist, dass es zumindest bei der Massenkommunikation keine Reziprozität der Einwirkungen, „höchstens eine diffusere Kommunisierungswirkung“ (S. 40) gibt. 


8. These: „nicht der Rollenwechsel zwischen Sender und Empfänger sei entscheidend, sondern jener zwischen Ausgangs- und Zielpartner“ (S. 40, Schönhagen)



Einseitige Massenkommunikation sei interaktiv, da nicht der Rollenwechsel zwischen Sender und Empfänger entscheidend sei, sondern jener zwischen Ausgangs- und Zielpartnern. Es wird eine Unterscheidung zwischen Vermittlungs- und Mitteilungsprozess vorgenommen: Akteure können über Medien aufeinander Bezug nehmen, wobei sie die Rolle als Ausgangs- und Zielpartner tauschen. Wichtig ist hierbei das die Akteure zu Wort kommen.
Kritisch anzumerken ist hier, dass die Möglichkeit der Teilname gerade im Vergleich sehr eingeschränkt ist. Auch kann Massenkommunikation nicht pauschal als interaktive bezeichnen, da es sich um interaktiver Kommunikation weniger Akteure vor einem unbeteiligtem Massenpublikum handelt.

ZwischenfazitBearbeiten

Interaktion kann auch ohne Kommunikation stattfinden, da Verständigung als Interaktion, durch intentional aufeinander bezogenes Handeln (Burkhart) gegeben ist. Außerdem wird interaktive Massenkommunikation, als wechselseitige Kommunikation zwischen Ausgangs- und Zielpartnern vor einem Massenpublikum, das unbeteiligt ist, als Interaktion, die auch ohne Kommunikation möglich ist dargestellt.
Schwachpunkte sind die nicht vorhandene Reziprozität bei Massenkommunikation und die eingeschränkte Möglichkeit zur Teilnahme als Ausgangspartner in der Massenkommunikation.



9. These: „Schnittmenge zwischen Interaktion und Kommunikation
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Interaktion, als wechselseitige Beeinflussung, und Kommunikation, als intentionaler Zeichengebrauch, können jeweils unabhängig voneinander bestehen, aber auch aufeinander Bezug nehmen.



10. These: „Interaktion und Kommunikation können gemeinsam oder jeweils eigenständig auftreten“ (S. 41, Neuberger)


Interaktion und Kommunikation überschneiden sich. „Kommunikation liegt […] vor, wenn Empfänger etwas als Zeichen interpretiert und zugleich dieses Zeichen von einem Sender mit der Absicht produziert worden ist, einer anderen Person eine Botschaft mitzuteilen, wobei die Intention auch vom Empfänger erkannt werden muss.“ (S. 41). 


11. These: „[Das] Verhalten einer Person [ist] dann interaktiv, wenn es durch zeitlich unmittelbar vorhergehendes Verhalten einer oder mehrerer anderer Personen beeinflusst ist und seinerseits ein zeitlich unmittelbar folgendes Verhalten dieser Person(en) beeinflusst. Aus dieser Definition folgt, dass Verhalten auch dann interaktiv sein kann, wenn es nicht als Interaktion intendiert ist.“ (S. 41, Posner)


Gelingungsbedingung für interaktive Kommunikation ist die auf beiden Seiten geforderte Intentionalität und eine zeitlich unmittelbar folgende Reaktion.


12. These: Interaktion als Phase im Rezeptionsprozess
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Dieser Interaktionsbegriff erfüllt nicht den soziologischen Interaktionsbegriff dessen Bedingungen von den anderen Definitionen umfasst werden. Es sind zwei weit verbreitete Verwendungsweisen des Interaktionsbegriffs, der auch Massenkommunikation beinhaltet. 



13. These: „Interaktion (ist) auf das Handeln eines Kommunikationspartners - des Rezipienten - reduziert, der mit einem Medienangebot interagiert“ (S. 41, Jäckel)

Interaktion wird als Interpretation verstanden. Es sei ein „einseitiger, kognitiver Vorgang“ (S. 41). Der den Verstehensprozess bei der Nutzung eines Medienangebotes beschreibt. Im allgemeinen wird der von Jäckel vorgeschlagene Begriff der Interpretation verwendet.



14. These: „Hier finden Auswahlen statt, verändert wird nichts. […] Immer wird etwas in Anspruch genommen, was schon vorhanden ist. Es wird nichts Neues geschaffen.“ (S. 42, Jäckel)



Interaktion wird als Prozess der Selektion verstanden, an den die Möglichkeit der Modifikation anschließt. Gerade im Bezug zu neuen Medien wird dieser Interaktionsbegriff verwendet.



ZwischenfazitBearbeiten

Für diese zwei Phasen des Rezeptionsprozesses kann man jeweils auch die Begriffe „Interpretation“ und „Selektion“ verwenden.



Anschluss an die SystemtheorieBearbeiten

Für Interaktion als wechselseitige Kommunikation im Sinne von Rafaeli und Jäckel gibt es den Anschluss an die Systemtheorie.


15. These: „Interaktion zwischen Anwesenden sind einfache Sozialsysteme“ (Luhmann)



Ausgangspunkt ist die Bezeichnung der Interaktion als wechselseitige Kommunikation im Sinne Rafaelis (These 5). 
In Interaktionsssystemen findet Kommunikation statt, kennzeichnend ist, dass Interaktionssysteme gleich nach der Kommunikation wieder zerfallen können und keine hohe Komplexität erreichen. Organisationssysteme sind komplexere Systeme in denen Entscheidungen getroffen werden. Durch die soziokulturelle Evolution haben sich außerdem autonome Funktionssysteme gebildet.
 Durch die reflexive Wahrnehmbarkeit entsteht eine Situation doppelter Kontingenz. Also eine absolut unbestimmbare Situation, da zwei Personen nicht über die Erwartungserwartungen der jeweils anderen bescheid wissen. Themen ordnen, als sehr schwache Struktur die Beiträge in einem Interaktionssystem, dadurch erhält das System eine Art Gedächtnis, indem die „Geschichte von Selektionsleistungen“ (S. 43) gespeichert wird. Themen relationieren Beiträge und stellen einen Bezug zu früheren Mitteilungen her.

Damit wäre die von Rafaeli gestellte Bedingung für Interaktivität erfüllt.
Systemtheoretisch ist nur bei Kommunikation unter Anwesenden von Interaktion die Rede. In der medial vermittelten Kommunikation und schon gar in der Massenkommunikation wird sie ausgeschlossen. Kommunikative Austausch der Öffentlichkeit liegt „vollkommen außerhalb des Theoriehorizonts“ (S.43)



Unterscheidungen
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Um präzise Begriffsdefinitionen fassen zu können, müssen einige Unterscheidungen getroffen werden.


Interaktivität - Interaktion Bearbeiten

16. These: „Interaktivität ist das Potenzial […] das interaktive Kommunikation begünstigt, also den Prozess der Interaktion.“ (S. 43 f., Rafaeli)



Grundvoraussetzung hierfür ist die Wechselmöglichkeit zwischen Kommunikator und Rezipienten. Interaktivität beschreibt das Potenzial und Interaktion den Prozess. Diese Begriffe sind damit klar voneinander zu trennen.




Selektivität - Selektion Bearbeiten

17. These: „Bei der Selektivität geht es um einen zur Verfügung gestellten Vorrat an Medienangeboten, bei der Selektion des Rezipienten um die Auswahl aus diesem Vorrat.“ (S. 44, Neuberger)



Selektivität und Selektion sind, wie auch Interaktivität und Interaktion, ein Potenzial und ein Prozess. Diese beiden Begriffsgruppen sind klar voneinander abzugrenzen.
Bei der Selektion wählt der Nutzer aus Angeboten, die Selektivität stellt hierbei die Auswahloptionen dar. Durch das Internet und die neuen Medien hat sich die Zahl der Selektionsoptionen erhöht. Ein Beispiel dafür sind Suchmaschinen, deren Suchkriterien sehr eingegrenzt werden, wie etwa die Nachrichtensuchmaschine „Google News“, die in ihrem deutschen Angebot „in 700 kontinuierlich aktualisierten Nachrichtenquellen“2 sucht und zahlreiche Eingrenzungskriterien bei der Suche nach Nachrichten bietet. 




Medium - Maschine Bearbeiten

18. These: „Bei Medien (soll) der Output mit dem Input möglichst identisch sein“. „Maschinen bearbeiten und verändern den Input.“ (S. 45, Esposito)



Computer sind demnach sowohl Medium als auch Maschine. Sie können auf den gleichen Input unterschiedlich reagieren. 
Bei der Mensch-zu-Medien-Beziehung, also der Massenkommunikation, handelt es sich um Kommunikation, wenn man darunter eine einfache Bedeutungsübermittlung versteht. Allerdings ist sie nicht interaktiv. 
Bei der Mensch-zu-Maschine-Beziehung kann man die Programmierer der Maschinen als Kommunikatoren bezeichen. Austausch findet dann allerdings nicht zwischen dem Nutzer und der Maschine, sondern zwischen dem Nutzer und dem Programmierer statt. Auch hier findet keine interaktive, sondern eine selektive Kommunikation statt.



19. These: „Computer können Verstehen vorspiegeln, aber nicht bewusst verstehen“ (S. 45, Fuchs)



Anhand des Computerprogramms „ELIZA“ das 1966 von Joseph Weizenbaum entwickelt wurde kann man sehen, wie ein Computerprogramm verstehen vorspiegelt. „ELIZA ist ein künstliches Gegenüber, das auf simple Weise die nondirektive Gesprächspsychotherapie nachahmt, allerdings ohne […] das man von Empathie des Therapeuten sprechen kann“3 ELIZA stellt nur Fragen und gibt keine Ratschläge.Worte aus dem vorher eingefügten Satz des Gesprächspartners werden aufgenommen und in eine schon vorhandene Frageformen eingefügt. Anhand von ELIZA kann man sehen, wie exakt Computerprogramme verstehen vorspiegeln können. Man kann jedoch keine Rückfragen stellen und es „schnell zu sinnlosen Aussagen bringen“


20. These: „Interaktive Kommunikation bedarf einer bestimmten zeitlichen Folge sowie einer sachlichen und sozialen Bezugnahme.“ (S. 46, Neuberger)

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In seinem Fazit beschreibt Neuberger drei Bedingungen die für interaktive Kommunikation erfüllt sein müssen.
Mitteilungen der interaktiven Kommunikation müssen nacheinander verbreitet und produziert werden, damit sie sich aufeinander beziehen können. Neben der Reihenfolge der Kommunikation, ist die Möglichkeit zum Wechsel zwischen Kommunikator und Rezipientenrolle eine Grundvorraussetzung. Die sachliche Bezugnahme kann in unterschiedlichen Abstufungen geschehen, sie muss aber individuell geschehen. Interaktive Kommunikation ist mit vorherigen Mitteilungen des Kommunikationspartners abgestimmt und an diesen Kommunikationspartner gerichtet. 
Der Koordinationsaufwand für interaktive Kommunikation erhöht sich mit der Zahl der Akteure, da der zeitliche und sachliche Bezug der Mitteilungen schwieriger aufeinander abgestimmt werden können. Bei asynchroner Kommunikation steigt außerdem die Notwendigkeit, auf vorherige Mitteilungen zu verweisen, um eine Relationen herzustellen. 


FazitBearbeiten

Neuberger zeigt die Probleme der Kommunikationswissenschaften bei den Begriffsdefinitionen auf und gibt einen Überblick über sieben verschiedene Möglichkeiten des Verständnis des Verhältnisses von Kommunikation und Interaktion. Neuberger schlägt vor interaktive Kommunikation, im Sinne von Rafeali, als wechselseitige Kommunikation zu verstehen und zeigt den theoretischen Anschluss an die Systemtheorie. Er fügt noch einige weitere Kriterien an Rafaelis Definition an, und zeigt damit dass nicht eine Definition allein ausreicht um das weitreichende Verhältnis von Interaktion und Kommunikation zu beschreiben. Das Ende seines Textes „Neuland ist vor allem die medial vermittelte, öffentlich-interaktive Kommunikation, wie sie im Internet stattfindet.“ (S. 47) zeigt, dass sich durch die Weiterentwicklung der Medien in den nächsten Jahren, die auch die Begriffe Interaktivität, Interaktion und Kommunikation weiterentwickeln könnten. Wenn schon ein 1966 entwickeltes Computerprogramm wie ELIZA in der Lage ist verstehen vorzuspiegeln, wie rasant wird dann die Entwicklung sein?


LiteraturverzeichnisBearbeiten


Bieber, C. & Leggewie, C. (2004). Interaktivität, Ein transdisziplinärer Schlüsselbegriff. Frankfurt am Main: Campus

Maletzke, G. (1998). Kommunikationswissenschaften im Überblick. Opladen: Westdeutscher Verlag


Roesler, A. & Stiegler, B. (2005). Grundbegriffe der Medientheorie. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag Interaktivität Seite 110-114


Weiterführende Literatur Systemtheorie: Schützeichel, R. (2004). Soziologische Kommunikationstheorien. Konstanz: UKV Verlagsgesellschaft



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==Thesenpapier von Maike Herrmann -Schriftliche Ausarbeitung des Referats „Kommunikation, Interaktivität und Interaktion“-==

Der Aufsatz „Interaktivität, Interaktion, Internet – Eine Begriffsanalyse“ von Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster, beschreibt Varianten des Verhältnisses von Kommunikation, Interaktivität und Interaktion in der Kommunikationswissenschaft.

Gerade die Kommunikationswissenschaft hat die Besonderheit, dass Begriffe noch nicht eindeutig geklärt werden können, was vor allem an der Tatsache liegt, dass sie noch recht jung ist. Bei der Definition von Begriffen gibt es einmal die eingrenzende und die ausgrenzende Strategie. Bei der eingrenzenden Strategie werden die verschiedenen Definitionen, die in der kommunikationswissenschaftlichen Literatur verwendet werden, gesammelt und nach Gesichtspunkten sortiert, woraufhin eine mehrdimensionale Definition eines Wortes zustande kommt. Vorteilhaft dabei sind dabei die entstehenden Interaktivitätsgrade, doch leider sind die Begriffe an sich nicht präzise genug definiert, um sie von anderen abzugrenzen. Die ausgrenzende Strategie schafft hingegen Präzision der Definition von „Interaktivität“ bzw. „Interaktion“. Ein Medium ist entweder interaktiv oder nicht – es hängt maßgeblich von der speziellen Kommunikationssituation oder einem bestimmten technischen Medium ab. Ineinanderübergehende Abstufungen sind hier nicht zu erkennen.


„Interaktion ist eine Teilmenge von Kommunikation“ (Jäckel & Rafaeli)Bearbeiten

Jäckel versucht „Interaktion“ als Teilmenge von „Kommunikation“ zu betrachten: „Wenn Interaktion stattfindet, findet immer auch Kommunikation statt. Kommunikation kann aber auch ohne Interaktion stattfinden.“ (Jäckel, S. 36) – Hierfür ist jedoch eine spezifische Kommunikationssituation notwendig. Er beschränkt „Interaktion“ auf Face-to-face-Kommunikation, da nur bei Kommunikation unter Anwesenden direktes Feedback möglich ist: Kommunikation ohne Anwesenheit schließt er aus, da hier nur geringes oder gar kein Feedback möglich ist, in dem er „die physische Präsenz der Interaktionspartner“ als „ein wichtiges Definitionselement“ ansieht (vgl. S. 36). Kommunikation besitzt eine Mehrkanaligkeit, die z.B. durch das Runzeln der Stirn, Nicken oder andere visuelle oder akustische Eindrücke des Gegenübers der Kommentierung des Gesagten dienen. Wenn man beispielsweise über Briefe kommuniziert, fehlt diese Mehrkanaligkeit. So gilt auch Massenkommunikation in Jäckels Theorie als nicht-interaktiv. Kritik an diesem Definitionsversuch wird durch die Weiterentwicklung der neuen Medien unabdingbar, denn der Rollentausch und die Mehrkanaligkeit kann technisch immer besser nachgebildet werden (z.B. Video-Telefonie).

Rafaeli greift einen anderen Ansatz auf, indem er von einem spezifischen Kommunikationsverlauf ausgeht. Er nimmt hierfür die wechselseitige Kommunikation als Ideal, bei der die aktuelle Mitteilung eine Relation zu früheren Relationen zwischen Mitteilungen herstellt (vgl. Rafaeli, S. 38).


„Kommunikation ist eine Teilmenge von Interaktion“ (Burkard & Schönhagen)Bearbeiten

Burkard bezeichnet Interaktion als allgemeinen Begriff, während Kommunikation als eine sehr ausgereifte Form sozialer Interaktion ist (vgl. Burkard, S. 40). Er sieht Verständigung als „ausgereifte“ bzw. soziale Interaktion, in der das Mitteilen und Verstehen zwischen mindestens zwei gegebenen Personen als intentional aufeinander bezogenes Handeln gilt. Jede Kommunikation ist demnach interaktiv, wenn eine Doppelseitigkeit gegeben ist. Zum einen müssen die Mitteilungshandlung des Kommunikators und die Verstehenshandlung des Rezipienten intentional aufeinander bezogen sein und zum anderen sollte das Ziel der Verständigung erreicht werden. Wenn man sich z.B. mit zwei Personen in einem Raum befindet und Person A sagt, man wolle mit der Person B kurz etwas besprechen, woraufhin Person A den Raum verlässt, da sie die Intention richtig interpretiert hat, dass man mit Person B allein sein möchte, bedarf es auch keinem weiteren Kommentar der Person A. Feedback des Rezipienten ist lediglich eine „Erfolgskontrolle kommunikativen Handelns“ und somit für eine Interaktion nicht notwendig (vgl. Burkard, S. 40). Kritik an dieser Theorie ist, dass medienvermittelte Massenkommunikation dann keine Wechselseitigkeit und Wirkung auf uns offenbaren würde, was definitiv nicht der Fall ist.

Schönhagen betrachtet in seiner Theorie die interaktive Massenkommunikation, in der wechselseitige Kommunikation zwischen Ausgangs- und Zielpartnern vor einem unbeteiligten Massenpublikum stattfindet. Nicht der Rollenwechsel zwischen Sender und Empfänger sei entscheidend, sondern jener zwischen Ausgangs- und Zielpartnern, was beispielsweise bei Talkshows zu erkennen ist, in denen Zuschauer die Möglichkeit haben, sich (inter-)aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.


„Interaktion und Kommunikation bilden eine Schnittmenge“ (Posner & Jäckel)Bearbeiten

Neuberger greift Posners Theorie auf, indem er sie wie folgt zusammenfasst: „Interaktion und Kommunikation können gemeinsam oder jeweils eigenständig auftreten“ (Neuberger, S. 41). Posner hegt die Annahme, dass Kommunikation grundsätzlich vorliegt, wenn ein Kommunikator eine Botschaft mit Hilfe von Zeichen und einer Intention dahinter an den Rezipienten sendet, der das Zeichen interpretiert und die Intention erkennt. Kommunikation ist demnach interaktiv, wenn sofort ein Rollenwechsel stattfinden kann. Somit ist ein Feedback nötig für interaktive Kommunikation, was genau der gegenteiligen Aussage von Burkard entspricht.

Jäckel sieht Posners Theorie ähnlich und gliedert „Interaktion“ in zwei Phasen: 1. Interaktion als Interpretation 2. Interaktion als Selektion


Interaktion als InterpretationBearbeiten

„Interaktion [ist] auf das Handeln eines Kommunikationspartners – des Rezipienten – reduziert, der mit einem Medienangebot interagiert.“ (vgl. Schulze/Jäckel, S. 41) Als Beispiel kann der Verstehensprozess beim Lernen zur Veranschauung genommen werden. Texte, die man zur Weiterbildung heranzieht, stellen etwas mit einem selbst im Kopf an. Somit interagiert man mit dem Medienangebot.


Interaktion als SelektionBearbeiten

Jäckel sagt, dass Auswahlen getroffen werden von bereits bestehenden Medienangeboten. „Es wird nichts Neues geschaffen“ oder Altes verändert (Jäckel, S. 42). Als Beispiel kann man hier die Bestimmung der Kameraperspektive oder dramaturgische Effekte nehmen. Goertz allerdings versucht das Modell zu erweitern und bezieht auch die Modifikation, also Weiterbearbeitung, des Medienangebot ein, aus dem man wählen kann.


„Die Systemtheorie Luhmanns lässt sich zur Definitionsklärung des Begriffs „Interaktion“ anwenden.“Bearbeiten

Interaktion zwischen Anwesenden sind einfach Sozialsysteme. Durch wechselseitige, reflexive Wahrnehmbarkeit entsteht eine Situation doppelter Kontingenz: Zwei Personen sind nicht in der Lage, die Erwartungen an sich selbst über die Erwartungen der anderen Person ausfindig zu machen. Dieses Problem der doppelten Kontingenz schafft eine Unsicherheit bei den Kommunikationspartnern. Das System erhält eine Art Gedächtnis, indem die „Geschichte von Selektionsleistungen“ gespeichert wird. Themen stellen Mitteilungen in Relation zueinander und nehmen Bezug auf bisherige Mitteilungen. Somit wäre in diesem Sinne die von Rafaeli gestellt Bedingung für Interaktivität erfüllt. Systemtheoretisch ist nur bei Kommunikation unter Anwesenden von Interaktion die Rede. In der medienvermittelten Massenkommunikation wird sie gänzlich ausgeschlossen. Ein kommunikativer Austausch der Öffentlichkeit liegt vollkommen außerhalb der Theorie.


„Die Begriffe „Interaktivität“ und „Interaktion“ sind differenziert zu betrachten.“Bearbeiten

„Interaktivität“ als Potenzial eines technischen Einzelmediums oder einer Kommunikationssituation begünstigt „Interaktion“ bzw. interaktive Kommunikation, was den Prozess der Interaktion darstellt (vgl. Rafaeli, S. 43 f.). Grundvoraussetzung hierfür ist die Wechselseitigkeit der Rolle zwischen dem Kommunikator und dem Rezipienten. Prinzipiell ist demnach jedes technische Medium für interaktive Kommunikation einsetzbar. Es ist bloß eine Frage der Effektivität, denn Medien können Optionen der Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen, aber auch einschränken. Wenn man zum Beispiel mit Hilfe von Briefen kommuniziert, kann man erst nach Tagen eine Antwort erwarten, bei Emails können es Stunden und bei einem Chat Minuten oder sogar nur Sekunden sein.


„Die Begriffe „Selektivität“ und „Selektion“ sind differenziert zu betrachten.“Bearbeiten

„Selektivität“ ist auch hier ein Potenzial, was beispielsweise den zur Verfügung gestellten Vorrat an Medienangeboten darstellt. Dieses Potenzial begünstigt wiederum die „Selektion“, was den Prozess, also das aktive Auswählen aus den gegebenen Medienangeboten, darstellt. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass durch die (Weiter-)Entwicklung der neuen Medien, was besonders das Internet betrifft, die Anzahl an Auswahloptionen exponentiell gestiegen ist. „Selektion“ umfasst nicht so wie bei der „Interaktion“ eine zeitlich nachfolgende, individuelle Reaktion auf eine vorherige Mitteilung. Erst wenn sich eine Kette von Interaktionen bildet, und ein menschliches Gegenüber auf eine Anfrage individuell reagiert, ist eine interaktive Kommunikation gegeben.


„Die Begriffe „Medium“ und „Maschine“ sind differenziert zu betrachten.“Bearbeiten

„Bei Medien [soll] der Output mit dem Input möglichst identisch sein“ (vg. Esposito, S. 45), während eine Maschine den Input bearbeiten und verändern kann. Ein Computer beispielsweise kann beides bedienen.


Fazit - „Interaktive Kommunikation bedarf einer bestimmten zeitlichen Folge sowie einer sachlichen und sozialen Bezugnahme“ (Neuberger)Bearbeiten

Neuberger versucht die Grenze zwischen interaktiver und nicht-interaktiver Kommunikation zu setzen, indem er drei Komponenten als zwingend notwendig für interaktive Kommunikation erklärt: Die zeitliche Variable sagt aus, dass eine Mitteilung nicht nur in einer Reihenfolge verbreitet, sondern auch produziert werden und ein Wechsel zwischen der Kommunikator- und Rezipientenrolle gegeben sein muss. Bei der sachlichen Komponente muss auf eine Mitteilung explizit bezugnehmend und individuell reagiert werden können. Und der soziale Bezug ist gegeben, sobald eine Mitteilung auf bestimmte Kommunikationspartner abgestimmt und adressiert ist, was häufig bei medienvermittelter Massenkommunikation immer noch nicht der Fall ist – aber auch hier verwischen die Trennlinien durch die Weiterentwicklung der neuen Medien zunehmend.

Eine klarstellende Regelung, wie mit den Begriffen „Interaktion“, „Interaktivität“ und „Kommunikation“ umgegangen werden sollte, ist jedoch nach wie vor nicht geklärt in der Kommunikationswissenschaft. Die verschiedensten Ansätze sind alle annehmbar und durch die hervogebrachte Kritik weiterzuentwickeln. Man wird wohl abwarten müssen, welche begriffsklärenden Theorien sich durchsetzen werden. Fakt ist, dass es eine Erleichterung im Umgang mit den Begriffen birgen und die Weiterentwicklung der Kommunikationswissenschaft maßgeblich fördern würde. Neubergers Vorschlag, jene drei Komponenten für „interaktive Kommunikation“ zu gebrauchen, halte ich für eine sinnvolle Lösung, auch wenn der soziale Bezug auch vernachlässigt werden könnte – vor allem durch die rasante Weiterentwicklung der neuen Medien ist dies immer schwerer zu bewerkstelligen.


Literaturverzeichnis:Bearbeiten

Neuberger, Christoph: Interaktivität, Interaktion, Internet – Eine Begriffsanalyse, In Publizistik, Heft 1, 52. Jahrgang. (Seiten 33-50)

Krotz, Friedrich: Mediatisierung, Fallstudien zum Wandel von Kommunikation, 1.Aufl. Mai 2007, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007

Bieber, Christoph, Leggewie, Claus: Interaktivität, Ein transdisziplinärer Schlüsselbegriff, Campus, Frankfurt am Main, 2004

Schützeichel, Rainer: Soziologische Kommunikationstheorien, UKV Verlagsgesellschaft, Konstanz, 2004, (Luhmann S. 243-288)

Roesler, Alexander, Stiegler, Bernd: Grundbegriffe der Medientheorie, Wilhelm Fink Verlag, Parderborn, 2005, (Interaktivität Seite 110-114)