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Thesenpapier zum Vorlesungsthema Klatsch und Tratsch von Lukas Palm Bearbeiten

BAF.1022, Interpersonale Kommunikation, Fall 2008, Prof. Dr. Getraud Koch

Literatur: Knoblauch Hubert, „Kommunikationskultur: die kommunikative Konstruktion kultureller Kontexte, Berlin; New York: Walter de Gruyter, 1995

Knoblauch sieht die Entstehung und den Antrieb von Kommunikation nicht nur als einen Zwang, wie Goffman es beschreibt mit dem Ziel der Wahrung des eigenen Gesichts, sich an die Umwelt anzupassen. Zwar wird das Handeln der Individuen auch in gesellschaftlich zugängige Formen gestellt, doch zeigt Knoblauch auf, dass die Individuen diese Formen nicht nur verwenden, um zu kommunizieren, sondern auch mit diesen arbeiten und sie verändern. Durch diese Zweiseitigkeit entsteht ein Zwischenreich an dem jeder teilnimmt und durch dieses Handeln der Einzelnen eine kommunikative Lebenswelt entsteht, die durch die menschliche Kommunikation Strukturen schafft. Diese verfestigen sich zwar stetig aber wirken auch auf die einzelnen kommunikativen Handlungen zurück.

A) Thesen Bearbeiten

Strukturen der kommunikativen Lebenswelt

    I.	Die kommunikative Lebenswelt des Alltags

1. „Nur in der Lebenswelt des Alltags kann sich eine gemeinsame kommunikative Umwelt konstituieren.“ S. 57 ( Schütz/ Luckmann 1979, 25) Gründe dafür sind, dass das Individuum nur in diese Lebenswelt eingreifen kann und Möglichkeiten hat diese zu verändern. Durch diesen Zugang kann sich jeder mit Jedem in diesem Bereich verständigen. Die Quintessens dessen ist, wie vermutet, dass die gemeinsame Lebenswelt auf einem gemeinsamen Verständnis aufbaut. Doch Wirklichkeit…

2. „Die Lebenswelt des Alltags ist die Welt, in der Handelnde wirken und kommunizieren; erst dieser Umstand ist einer der Hauptgründe (…), dass diese Welt die ausgezeichnete Wirklichkeit ist.“ S.57 (Schütz 1971, 372) Jede Person hat seine eigene begrenzte Lebenswelt, in der sie agieren kann, dieser Umstand macht es zur jeweiligen unterschiedlichen Wirklichkeit der einzelnen Person. Durch die Kommunikation zwischen den Personen kommt es zur Mannigfaltigkeit des Wirklichen.

3. „Interaktion bedarf der Objektivierungen (…) Die Koordinierung relevanter Aspekte von sozialen Wirkhandlungen wird durch diese Objektivierungen geleistet, die zwar die Appräsentationsleistung des Bewusstseins voraussetzen aber erst durch ihr intersubjektives Auftreten in der Alltagswelt „wirklich“ werden.“ S.58 (Berger/ Luckmann 1984, 37) Um erfolgreich kommunizieren zu können bedarf es dieser Objektivierung, da einzelne Handlungen und Interaktionen, aufgrund verschiedener Relevanz, koordiniert werden müssen. Bei dieser Objektivierung bedarf es der Appräsentation, der Vergegenwärtigung der anderen Personen der Lebenswelt die jedoch ein individuelles „Ich“ haben. Hinzukommt, dass einzelne agierende Individuen der Lebenswelt auf der Grundlage von gemeinsamen Nennern und Verständnissen handeln. Alle sind sich bei der Wahrnehmung gewisser Bedeutungen einig.

4. „Kommunikation setzt voraus, dass die Deutungsschenmata, die der Mitteilende und der Deutende an die Zeichen der Mitteilung ansetzten, im wesentlichen übereinstimmen.“ S. 58 (Schütz 1971, 372f) Es bedarf bestimmter Gemeinsamkeiten zwischen den Handelnden. Diese Gemeinsamkeiten müssen „nach“ der Objektivation in Form eines geteilten Sinnes vorhanden sein. Findet eine Objektivation der handelnden Individuen statt, jedoch entsteht kein gemeinsames Verständnis, dann kommt keine erfolgreiche Kommunikation zustande. Vorrausetzung dafür sind vorhandene gleiche Relevanzsysteme zwischen den Kommunizierenden. Es gibt verschiedene Ebenen der Gemeinsamkeit: Die Objektivationen werden wahrgenommen und eine Verzahnung der Motive kommt zustande.

5. „Das Fundament aller möglichen Kommunikation bleibt (…) die Synchronisierung der Handlungsentwürfe und die Koordination der Handlungsvollzüge.“ S.59 (Schütz 1972, 145) Die Synchronisierung der Handlungsentwürfe ist, wenn bei der Verzahnung der Motive Gemeinsamkeiten zustande kommen. Die Koordination geschieht durch die Objektivation.

6. „Das kommunikative Handeln führt so zu einer elementaren sozialen Struktur: Die „Gesichtsfeld- Beziehung.“ S.59 (Schütz 1972, 74) Die Gesichtsfeld Beziehung wird auch „Begegnung“ oder „reine Wir-Beziehung“ genannt. Vorraussetzung dafür ist, die Teilung eines gemeinsamen Raumes der einzelnen Individuen. Sie müssen Zeitliche wie auch physisch auf einem Level stehen und gegenseitig beobachtbar sein. Während der Kommunikation durchleben sie eine „gemeinsame lebendige Gegenwart“. Es kommt zu einem „Wir“ empfinden, das unabhängig von der Dauer der Handlungen ist.

7. „Das kommunikativ begründete „Wir" zeichnet sich nicht durch Dauerhaftigkeit, sondern durch „Unmittelbarkeit“ aus.“ S.59 (Schütz/ Luckmann, 1984) Es entsteht im Moment der Kommunikation, was vor allem durch die Gemeinschaft des Raumes möglich ist. Dies kann zum Beispiel bei zwei sich fremden Menschen sein, die sich auf der Straße treffen. Beide Teilen in dieser Situation den gleichen und ähnlichen gemeinsamen Raum und können unmittelbar ein „Wir“ begründen ohne das ihre Handlungen über eine längere Periode von Dauer sind.

8. „Dennoch können sich schon in Gesichtsfeldbeziehungen dauerhafte Strukturen ausbilden. (...) Beim kommunikativen Handeln führen sie zu dem, was ich als Konventionalisierung bezeichnen möchte.“ S.60 Damit ist gemeint, dass einzelne Strukturen, die bei einer Gesichtsfeldbeziehung entstehen, nicht an diese eine Gesichtsfeldbeziehung gebunden sind. Durch das kommunikative Wirkhandeln entstehen Objektivationen die transsituativ in weiteren anderen Gesichtsfeldbeziehungen einsetzbar sind.

9. „Obwohl das „Wir“ durch die synchronisierte „Verzahnung der Motive“, die koordinierte Abfolge von Handlungen und die geteilte Konventionen zu Kommunikationsgemeinschaft wird, handelt es sich jeden falls nicht um „Gemeinschaften“ im gängigen (…) Sinn.“ S.61 (Schütz/ Luckmann 1984, 288) Die Gemeinschaft wird als ein „Netz sozialer Beziehungen“ bezeichnet. Dieses Netz entsteht durch die Gesichtsfeldbeziehungen der Individuen und stabilisiert sich durch einen eingespielten Konsens.

10. „Während die traditionelle „kleine Lebenswelt“ eine dauerhafte Gemeinschaft darstellte, die mittels mehr oder weniger ausgeprägter intermediärer Strukturen (…) mit der Gesellschaft verbunden blieb, leben moderne Menschen in einer Vielzahl von kleinen Lebenswelten mit je eingeschränkten Zwecksetzungen, die kaum mehr von indermediären Institutionen aneinandergekoppelt werden.“ S.62 (Luckmann, 1978) Jeder einzelne handelt nach seinen eigenen Interessen und Einstellungen, die durch den sozialen Kontext, z.B. Lebensstile, Körpervorstellungen, Milieus, usw., begrenzt sind, in seiner eigenen Sphäre. Kleine Lebenswelten entstehen und existieren parallel zu einander.

11. „Die Gesellschaft ist die Bühne für die Inszenierung eines Selbst.“ S.63 (Goffmann)

   II.	Goffmans Strukturen der Interaktionsordnung

12. „Das Individuum (der Goffmensch) muss die Gesellschaft als dauerndes Ärgernis strategisch bewältigen“ und um sich selbst verwirklichen zu können, das Beste aus den „absurden“ Situationen machen. S. 63

13. „Nicht das Individuum und seine Psychologie ist der Gegenstand der Interaktion, sondern die syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesender Personen.“ S.64 (Goffman 1981, 78) Goffman fasst es, als ein vom Individuum unabhängiges, sich selbst generierendes Interaktionsystem auf (vergleichbar mit Autopoiesis). Das Individuum ist nur an die Interaktion angekoppelt. Allein durch die Interaktion entstehen bestimmte Zwänge (höfliches Grüßen wenn zwei Personen aneinander vorbeigehen) unter den Individuen.

14. „Deswegen gewährleisten Rituale nur noch, dass der eine dem anderen Achtung erweist, und sie sichern Ehrerbietung und Respekt vor dem in die Interaktion eintretenden Individuum.“ S. 65 (Goffman 1981a, 8)

15. Soziale Handlungen der Individuen sind für Goffman nur dann relevant, wenn sie Teil einer unmittelbaren Interaktion sind, da diese und die Merkmale der Situation, die Struktur der Interaktionsordnung bilden: „In einer Handlung betrachtet wir nur das Ausmaß an Beteiligung (involvment), dass sie auszudrücken scheint; und wir betrachten die Regulierungen, der dieser Beteiligung unterworfen ist, als einen Hinweis dafür, in welchem Maße sie von der Zusammenkunft und der sozialen Situation als einer eigenständigen Wirklichkeit geleitet wird.“ S.66 (Goffman 1966, 247)

16. „Die Interaktionordnung besteht aus kleinen Räumen, die aus der Interaktion in gemeinsamer Gegenwart (Familie, Nachbarschaft, Büromitarbeiter) entstehen, (…) wodurch Kontexte sich ausbilden, die zeitlich und räumlich begrenzt sind.“ S.66-67 (Goffman)

17. Für Goffman gibt es zwei Einheiten für die Grundlage der Interaktionsstrukturen: 1. die handelnden Individuen einer Situation werden als bewegliche Einheiten bezeichnet. 2. die Begegnung dieser Einheiten. S.68 (Goffman)

18.“Kommunikation im engeren Sinne bedient sich Zeichen und Symbole, die nur die Informationen vermitteln, die an sie gebunden sind.“ Kommunikation im weiteren Sinne nichtsprachliche Kontexte im Sprechen, die ausgesendeten Anzeichen der Individuen. Ein Individuum handelt aus anderen Gründen, als das was die Information aussagt (Unsicherheit bei einer Lüge). S. 69 (Goffman 1959, 14)

  III.	Schnittstellen zwischen Interaktionsordnung und Sozialstruktur

19. „Solche Schnittstellen zwischen Interaktionsordnung und Gesellschaftsstruktur liegen dort, wo Handlungen, Personal oder Sinn sozialer Situationen Auswirkungen auf die Organisation der Gesellschaft haben.“ S.70 zum Beispiel der Einsatz von Polizei die bei Streiks für Ruhe sorgt oder der Streiks selbst haben eine Auswirkung. Sie können die Struktur verändern.

20. „Jedoch sind für Goffman kommunikative und andere kulturelle Zeichen und Handlungsmuster nur insofern wichtig, als sie zur Koordination von Handlungen in der Interaktionsordnung dienen.“ S.71 (Goffman) Symbolische und rituelle Inszenierungen (bei einer Fußball-WM oder Krönungszeremonien) haben Folgen, aber nur begrenzte Auswirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung.

21. „Im fortwährenden Versuch, Statusmerkmale (soziale Struktur) aus der Dienstleistungs- beziehung (Interaktionsordnung) auszuschließen, versuchen die Beteiligten selbst, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass diese Prinzipien gelten.“ S.71 In einer Warteschlange können sich monetär schlechter gestellte Individuen durch die sozialen Strukturen helfen, indem sich monetär reiche Individuen in die Warteschlange einreihen müssen und keinen Vorteil haben.

22. „Es gibt lediglich eine „lose Koppelung“ interaktiver Praktiken und sozialer Strukturen.“Gesellschaftsereignisse mit rituellem Charakter, wie z.B. ein oben erwähntes Fußball- Länderspiel, haben deshalb keinen Einfluss auf die sozialen Strukturen. Das Auftreten von Schnittstellen ist auf die Situationen und Strukturen bedingt.

B) Schlusskommentar/Fazit Bearbeiten

Die Essenz des Textes von Knoblauch weist auf, dass sich soziale Strukturen der Interaktionsordnung verändern können. Jedoch ist nicht der Inhalt, sondern die Handlung - als Impuls – selbst entscheidet eine Veränderung zu bewirken. Dies zeigt, dass auch der als allgemein „inhaltslos“ bezeichnete Klatsch und Tratsch das soziale Gefüge verändern kann, da er eine Schnittstelle der Schützschen kommunikativen Lebenswelt und der Goffmanschen Interaktionsordnung sein kann. Dies wirft die Frage auf: müssen wir, als interagierende Individuen der Gesellschaft, uns überhaupt Gedanken über den Inhalt einer Handlung oder Kommunikation machen? Nach Knoblauchs Arbeit würde ich sagen nein, hier müsste man jedoch noch betrachten, in wieweit der Inhalt einer Handlung Auswirkungen auf diese haben kann.

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Thesenpapier Alexander Heckel Bearbeiten

Interpersonale Kommunikation – 7. Sitzung: Thesenpapier "Klatsch und Tratsch" von Alexander Heckel, 20.10.2008

Dozentin: Prof. Dr. Gertraud Koch

Thesenpapier zu Dr. habil. Hubert Knoblauchs Text: „Kommunikationskultur: die kommunikative Konstruktion kultureller Texte“, Berlin/ New York, de Gruyter, 1995, S. 57-71

Einleitung Bearbeiten

In Knoblauchs Text geht es in erster Linie um einen Versuch, Gelingensbedingungen und Annahmen zu definieren, welche für die alltägliche Kommunikation von Bedeutung sind. Knoblauch zitiert dabei andere Soziologen wie Schütz oder Goffman und entwickelt deren Positionen teilweise weiter. Er geht dabei insbesondere auf Interdependenzen zwischen Kommunikation, den daraus entstehenden Strukturen und auf die soziale Umwelt ein. Des Weiteren versucht Knoblauch auch, Kommunikation „technisch“ – z.B. als syntaktische Beziehung oder als Interaktionsordnung – zu analysieren.

Die kommunikative Lebenswelt des Alltags Bearbeiten

These 1: „Nur in der Lebenswelt des Alltags kann sich eine kommunikative Umwelt konstituieren“ S. 57, Schütz & Luckmann (1979) Die Lebenswelt des Alltags, also die Welt in der Menschen eingreifen und wirken, ist Grundlage und zwingende Voraussetzung für Verständigung und Zusammenwirken mit seinen Mitmenschen. Diese Lebenswelt stellt die Wirklichkeit dar und hat somit einen realitätskonstituierenden Charakter, welcher im Rahmen der Kommunikation Erzeugenden wie Deutenden gleichermaßen zugänglich ist.

These 2: „Interaktion bedürfen der Objektivierung in einer gemeinsamen, kommunikativen Lebenswelt.“ S. 58, Srubar Als Voraussetzung für gemeinsame Interaktion bedarf es also der Objektivierung, welche für die Wirkhandelnden den gleichen Sinn in Wirkensbeziehung und der Koordinierung relevanter Aspekt von sozialem Wirkhandeln unterstellt (Gemeinsamkeit). Beispielsweise muss die Interaktion verschiedener Wirkhandelnden aufgrund von unterschiedlichen Relevanzen koordiniert werden.

These 3: „Kommunikation setzt voraus, dass die Deutungsschemata, die der Mitteilende und der Deutende an die Zeichen der Mitteilung ansetzten, im wesentlichen übereinstimmen.“ S. 58 Schütz (1971)

These 4: „Erfolgreiche Kommunikation ist nur zwischen Personen, sozialen Gruppen, Nationen usw. möglich, die im wesentlichen die gleichen Relevanzsysteme besitzen.“ S.58 Schütz Auch hier wird indirekt die Objektivierung wieder als Gelingensbedingung für erfolgreiche Kommunikation definiert. Erst die Objektivierung in der gemeinsamen Erfahrungswelt und die dadurch entstehenden gemeinsamen Relevanzsysteme erlaubt eine wechselseitige Verzahnung der Motive („coordinative devicess“). Diese münden in einer Art Gemeinschaft und dem „WIR“-Begriff nach Schütz: „Kommunikationsgemeinschaften teilen Wissen und Bedeutung der Zeichen und ihrer Relevanz.“.

These 5: „Das Fundament aller möglichen Kommunikation ist die Synchronisierung der Handlungsentwürfe und die Koordination der Handlungsvollzüge.“ S. 59 Schütz (1972) Die Synchronisierung beinhaltet dabei die oben beschriebene Erfahrung des „WIR“, das Durchleben einer gemeinsamen Gegenwart und das entstehen gemeinsamer Motive durch die Verzahnung der Gemeinsamkeiten.

These 6: „Das kommunikative Handeln führt zu einer elementaren sozialen Struktur: Die Gesichtsfeld- Beziehung.“ S. 59 Schütz (1972) Die Gesichtsfeld-Beziehung bedingt die Tatsache, dass Teilnehmende Raum, Zeit und eine gemeinsame Gegenwart teilen, d.h. das die Beobachtbarkeit des je anderen Individuums möglich sein muss. Die Gesichtsfeld- Beziehung ist somit zeitlich begrenzt und begründet auch ein „WIR“-Gefühl. Somit zeichnet dieses Gefühl nicht die Dauerhaftigkeit, sondern die Unmittelbarkeit aus (nach Schütz und Luckmann Prototyp aller gesellschaftlichen Interaktionen).

These 7: „Kommunikative Wirkhandlungen erzeugen Objektivationen, welche transsituativ verwendet werden können.“ S.60 Schütz/ Luckmann (1984) Objektivationen stellen nach Schütz Konventionen und Kulturmuster dar, welche die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft teilen. Diese Konventionen müssen nicht ex-ante formuliert werden, sondern bilden sich analog zur Institutionalisierung heraus. Diese gemeinsam geteilten Konventionen sind auf verschiedene Situationen innerhalb der Gemeinschaft übertragbar. Damit gelten Konventionen als typische Lösung kommunikativer Probleme.

These 8: „Obwohl das „WIR“ durch die koordinierte Abfolge von Handlungen und geteilten Konventionen zur Kommunikationsgemeinschaft wird, handelt es sich nicht um Gemeinschaften im gängigen Sinne.“ S.61 Schütz Hier versucht Schütz eine Abgrenzung des Gemeinschaftbegriffs nach Tönnis von der Kommunikationsgemeinschaft. Gemeinschaft im romantischen Sinne beschreibt ein Netz sozialer Beziehung, welches sich durch offene Kommunikation mit anderen herausgebildet hat. Dieses Netzt beinhaltet einen Konsens über Hierarchien und Ordnung innerhalb der Gruppe. Dieser Begriff geht Schütz zu weit, da für ihn die Kommunikationsgemeinschaft lediglich durch das Teilen von Wissen und Bedeutung relevanter Zeichen entsteht.

These 9: „Während die traditionelle kleine Lebenswelt eine dauerhafte Gemeinschaf darstellte, die mittels intermediäre Strukturen mit der Gesamtgesellschaft verbunden blieb, leben moderne Menschen in einer Vielzahl von kleinen Lebenswelten mit je eingeschränkten Festsetzungen, die kaum mehr von intermediären Institutionen aneinandergekoppelt werden.“ S. 62 Benita Luckmann Eine kleine Lebenswelt ist ein vom Individuum überschaubarer Raum, in denen es alltäglich handelt. Nach Luckmann sind die historischen intermediären Strukturen – wie z.B. der Adlige als Vertreter des Königs oder der reisende Geschäftmann der zur Stadt vermittelte – Werkzeuge, um im Rahmen der Kommunikation den Bezug zur öffentlichen Ordnung nicht zu verlieren. Heute wird die unmittelbare Kommunikation in starkem Maße von individuellen Interessen und Einstellungen gekennzeichnet sein (Folge der Privatisierung) und somit geht der Bezug zur öffentlichen Ordnung verloren.

These 10: „Die Gesellschaft ist die Bühne für die Inszenierung eines Selbst.“ S. 63 Goffman Die These spiegelt Goffmans Betrachtungen wieder, welche die Kommunikation aus Sicht des Individuums als inszenierendes Wesen verschiedener Rollen innerhalb vieler kleiner Lebenswelten auf der Bühne der Strukturen beschreibt (Goffmans Strukturen der Interaktionsordnung).

Goffmans Strukturen der Interaktionsordnung Bearbeiten

These 11: „ Das Individuum (Goffmensch) muss die Gesellschaft als dauerndes Ärgernis strategisch bewältigen.“ S. 63 Goffman Der Goffmensch versucht stets sich selbst optimal zu verwirklichen und das Beste aus der für ihn absurden Situation zu machen, dass sich gesellschaftliche Ordnungszusammenhänge immer schon konstituiert haben.

These 12: „Der eigentliche Gegenstand der Interaktion ist nicht das Individuum und seine Psychologie, sondern eher die syntaktische Beziehung zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesenden Personen.“ S. 64 Goffman (1981) Goffman geht es also nicht um die an der Interaktion beteiligten Personen, sondern um die Beziehung selbst, unabhängig von den Individuen. Dabei geht Goffman insbesondere auf die „interactionist view“, welches ein vom Individuum unabhängige und sich selbst generierendes Interaktionssystem ist (vergleichbar mit Autopoiesis).

These 13: „Das Individuum ist an der Interaktion bloß angekoppelt; allein der Umstand, dass Individuen interagieren, erzeugt bestimmte Zwänge, die nicht von den Individuen beabsichtigt werden.“ S. 64 Goffman Eines dieser Zwänge ist beispielsweise „monitoring“, d.h. das unauffällige und höfliches Ignorieren Unbekannter in der Öffentlichkeit. Dem Interaktionszwang generell folgt der Zwang zur Kundgabe der Absichten, welche wiederum den Zwang zur Interpretation beinhalten.

These 14: „Rituale gewährleisten nur noch, dass der einem dem anderen Achtung erweißt und sie sichern Ehrerbietung und Respekt vor dem in die Interaktion eintretenden Individuum.“ S.65 Goffman (1981) Somit gibt es einen Wandel der Rituale, von symbolischer Repräsentation von Kollektiven (traditionelle Großrituale) hin zur Zelebrierung des Individuums (armselige Variante). Somit rückt der Individualismus in den Vordergrund vor die Verehrung des gesellschaftlichen Kollektivs.

These 15: „In einer Handlung betrachtet wir nur das Ausmaß an Beteiligung, dass die auszudrücken scheint; und wir betrachten die Regulierungen, der dieser Beteiligung unterworfen ist, als einen Hinweis dafür, in welchem Maße sie von der Zusammenkunft und der sozialen Situation als einer eigenständigen Wirklichkeit geleitet wird:“ S. 66 Goffman

Goffman macht mit dieser These die Korrelation zwischen Regulierung und eigenständiger Wirklichkeit deutlich. Er zeigt auch, dass die soziale Situation für ihn nur relevant ist, wenn sie Teil der unmittelbaren Interaktion ist. Daraus abgeleitet könnte man sagen, dass die Interaktion selbst Strukturen ausbildet, welche später den Rahmen für unmittelbare Interaktion und den Grad der Wirklichkeit bestimmen.

These 16: „Interaktionen lenken die Aufmerksamkeit der Beteiligten und bilden Kontexte aus, die zeitlich und räumlich begrenzt sind.“ S. 66 Goffman

These 17: „Die Interaktionsordnung besteht aus jenen kleinen Räumen, die aus der Interaktion in gemeinsamer Gegenwart entstehen.“ S.67 Solche kleinen Räume können z.B. Vergemeinschaftungen wie Familie oder Nachbarschaft sein. Durch diese werden die Personen von einer bloßen Ansammlung in eine Art soziale Organisation verwandelt. Daraus entsteht ein soziales System (durch Anpassung an Umstand und geänderte Verhaltensweise).

These 18: „In sozialen Situationen sind zwei oder mehr Personen anwesend, hier zeigen sie ihre Aufmerksamkeit und Anteilnahme, hier findet die Koordinationen von Handlungen statt, und hier sind ihre Körper verletzlich.“ S. 68 Goffman Dabei ist der Begriff des „monitoring“ herauszustellen. Dieser bedeutet sich gegenseitige Aufmerksamkeit zu schenken. Eine soziale Situation kann z.B. eine feierliche oder zeremonielle Veranstaltung sein.

These 19: „“Encounters“ („face engagement“) bzw. Zusammenkünfte bezeichnen jene Konstellationen, bei denen ein kleiner Kreis von Teilnehmern zu einer ausdrücklichen gemeinsamen Unternehmung zugelassen wird.“ S.68 Innerhalb der Zusammenkünfte reichen die Interaktionskonstellationen von „civil inattention“ (höflicher Gleichgültigkeit) über dem beiläufigen Übersehen an öffentlichen Plätzen bis hin zur fokussierten Interaktion.

These 20: „Sprache erleichtert die Koordination von Interaktion enorm, da allen Interaktionen wesentliche Züge des kommunikativen Handelns anhaften.“ S.69 Goffman Das kommunikative Handeln kann nach Goffman zweifach unterteilt werden: Kommunikation im engeren Sinne durch Zeichen und Symbole (zeichnet bestimmte Sprechereignisse aus) und Kommunikation im weiteren Sinne als allgegenwärtige Handlungen.

These 21: „Äußerungen werden im wesentlichen durch den sozialen Kontext beschränkt: das in kommunikativen Vorgängen angehäufte Hintergrundwissen, die gemeinsam wahrnehmbare Umgebung und das gemeinsam unterstellte Wissen.“ S.69 Goffman

Schnittstellen zwischen Interaktionsordnung und Sozialstruktur Bearbeiten

These 22: „Schnittstellen zwischen Interaktionsordnung und Gesellschaftsstruktur liegen dort, wo Handlungen, Personal oder Sinn sozialer Situationen Auswirkungen auf die Organisation der Gesellschaft haben.“ Ein Beispiel für eine solche Schnittstelle könnte z.B. die Situation eines Streiks sein. Der Streik als Interaktion kann dabei Auswirkungen auf die Gesellschaftsstruktur haben, wenn z.B. durch den Streik neue Gesetze verabschiedet werden.

These 23: „Im fortwährenden Versuch, Statusmerkmale aus der Dienstleistungsbeziehung auszuschließen, versuchen die Beteiligten selbst, den Eindruck zu erhalten, dass diese Prinzipien gelten.“ Wenn beispielsweise ein Porschefahrer am Sonntag zum Bäcker fährt, muss auch dieser sich hinten in der Schlange anstellen, obwohl er vielleicht einer „höheren“ sozialen Schicht angehört als die anderen in der Schlange. Somit symbolisieren alle Beteiligten der Schlange das Prinzip der Gleichheit und Höflichkeit.

Fazit Bearbeiten

Die eben vorgestellte Interaktionsordnung von Goffman können Folgen für die soziale Struktur haben. Beispielsweise können Inszenierungen (Rituale) bei den Fussballländerspielen Auswirkungen auf die soziale Struktur insgesamt haben, allerdings bleiben die Auswirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung sehr begrenzt. Somit stellen die Interaktionsordnung und die Organisation zwei verschiedene Welten dar, welche lose aneinander gekoppelt sind. Insgesamt zeigte Knoblauch mit der Hilfe von Schütz und Goffman auf, dass Interaktionen Auswirkungen auf die Struktur und Rahmenbedingungen haben können und mit dieser interdependent im Zusammenhang stehen. Des Weiteren wurden Werkzeuge, wie z.B. Objektivierungen oder die syntaktischen Beziehungen, vorgestellt, welche auch zur Analyse von gegenwärtiger und zukünftiger Kommunikation herangezogen werden können.

Heckaleone 19:41, 24. Okt. 2008 (UTC)




Thesenpapier Joscha LautnerBearbeiten

Strukturen der kommunikativen Lebenswelt im Alltag - Dr. habil. Knoblauch


- Menschliche Kommunikation schafft Strukturen -


Herr Knoblauch umreißt in seinem Text zu den „Strukturen der kommunikativen Lebenswelt im Alltag“, die Beiträge zu diesem Thema speziell von Herrn Goffman und Herr Schütz. Herr Knoblauch zeichnet mit seiner Argumentation, dass Bild einer aus drei Ebenen bestehenden kommunikativen Lebenswelt. Der Sozialen Struktur, die den Rahmen für die Lebenswelt bietet, die Interaktionsordnung, die das Handeln in dem Rahmen bedingt und den Raum zwischen der sozialen Struktur und der Interaktionsordnung, in dem das Handeln geschieht. Alle Ebenen sind interdependent und reflexiv zueinander als auch selbst-reflexiv mit gegenseitiger Wechselwirkung miteinander verbunden.


I. Die kommunikativen Lebenswelten des AlltagsBearbeiten

1.Nur in der Lebenswelt des Alltags kann sich eine gemeinsame kommunikative Umwelt konstruieren. (S. 57 - Schütz/Luckmann, 1972)

a.„Die Lebenswelt des Alltags ist die Welt, in der Handelnde wirken und kommunizieren“ (S. 57 - Schütz, 1971), „deswegen kann Kommunikation (…) nur in innerhalb der Wirklichkeit der Außenwelt stattfinden.“ (S. 57)


2.Interaktionen also bedürfen der Objektivierung in einer gemeinsamen, kommunikativen Lebenswelt. (S. 58 - Srubar, 1984)

a.„Kommunikation setzt voraus, dass die Deutungsschemata, die der Mitteilende und der Deutende an die Zeichen der Mitteilung ansetzen, im Wesentlichen übereinstimmen.“ (S.58 - Schütz) Dass heißt „Erfolgreiche Kommunikation ist nur zwischen Personen, sozialen Gruppen, Nationen usw. möglich, die im Wesentlichen die gleichen Relevanzsysteme besitzen.“ (S. 58 - Schütz, 1971) Das, was kommuniziert wird, muss anderen Individuen zugänglich gemacht werden, in dem einer subjektiven kommunikativen Handlung ein gemeinsamer Sinn zugesprochen wird - der Objektivierung.


3.„Das „Fundament aller erfolgreichen Kommunikation“ bleibt jedoch, wie erwähnt, die Synchronisierung der Handlungsentwürfe und die Koordination der Handlungsvollzüge.“ (S. 59 - Schütz, 1972)


4.„Das kommunikative Handeln führt so zu einer elementaren sozialen Struktur: Die Gesichtsfeld-Beziehung“ (S. 59 - Schütz, 1972)

a.Durch die „Gesichtsfeldbeziehung entsteht „das kommunikativ begründete ‚Wir’“ (S. 59 - Schütz/Luckmann, 1984), welches sich durch Unmittelbarkeit auszeichnet. Dass heißt, dass erst durch die Begegnung durch Kommunikation soziale Organisation möglich wird, da in ihr die Individuen in Beziehung zu einander treten.


5.„Dennoch können sich schon in Gesichtsfeldbeziehungen dauerhafte Strukturen ausbilden.“

a.Diese Strukturen können als „Konventionalisierungen“ (S.60) bezeichnet werden, weil das Dauerhafte nicht das ewig Anhaltende auszeichnet, sondern eher transsituativ, als übertragbar auf Begegnungen in anderen zeitlichen und räumlichen Kontexten zu verstehen ist.


6.„Obwohl das ‚Wir’ durch die synchronisierte ‚Verzahnung der Motive’ (…) (S. 61 - Schütz/Luckmann, 1984) zur Kommunikationsgesellschaft wird, handelt es sich jedenfalls nicht um „Gemeinschaften“ im gängigen, vor allem von Tönnies geprägten Sinn.“

a.Gemeinschaft wird hier als „Netz sozialer Beziehungen“ verstanden, dass sich durch die „Gesichtsfeldbeziehungen“ konstituiert und durch gemeinsamen Konsens festigt.


7.„Während die traditionelle „kleine Lebenswelt“ eine dauerhafte Gemeinschaft darstellte, die mittels mehr oder weniger ausgeprägter intermediärer Strukturen (…) mit der Gesamtgesellschaft verbunden blieb, leben moderne Menschen in einer Vielzahl von kleinen Lebenswelten mit je eingeschränkten Zwecksetzungen, die kaum mehr von intermediären Institutionen aneinandergekoppelt werden.“ (S.62)

a.Während die Welt an sich nicht größer geworden ist, ist doch der Handlungsraums vieler Menschen größer geworden. Das Leben spielt sich nun nicht, mehr, in einem kleinen geographischen Raum ab, sondern egal wo, auch in Verbindung mit der globalisierten Welt statt. In ihr bewegen sich Menschen nicht mehr in der Gesamtheit einer singulären Gemeinschaft, sondern in der Pluralität vieler miteinander verbundener Gemeinschaften (einem „Fleckerlteppich“), die alle unterschiedliche Zwecke und Ziele haben.


8.Der Ansatz der „kleinen sozialen Lebenswelten“ geht von der Perspektive des Individuums aus, dass auf der Bühne dieser Strukturen sich inszeniert, indem es zynisch jeweilige Rollen vorspielt (S. 63 Hitzler 1986)


II. Goffmans Strukturen der InteraktionsordnungBearbeiten

9.„Die subjektive Perspektive des Individuums, das Gesellschaft als dauerndes Ärgernis strategisch“ zu bewältigen ist, (S. 63 - Goffman) wird auch als „Goffmensch“ bezeichnet (S.63 - Hitzler)

a.Das Individuum ist dem Zwang unterlegen, das Beste aus seiner momentanen und generellen gesellschaftlichen Situation zu machen, er kann ihr nicht entfliehen und nimmt es deswegen als „Tribunal“ war.


10.„Der eigentliche Gegenstand der Interaktion nicht das Individuum und seine Psychologie“ sei, sondern eher die „syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesender Personen“ (S. 64 Goffman 1981)

a.„Das Individuum ist demnach an die Interaktion bloß „angekoppelt“; allein der Umstand, dass Individuen interagieren, erzeugt bestimmte Zwänge, die nicht von den Individuen beabsichtigt werden.“ (S. 64 - Srubar, 1993) Es scheint also in Interaktionen nicht, um den Inhalt zu gehen, sondern im Wesentlichen, um den Raum zwischen den inhaltlichen Beziehungen, den Regeln, der Struktur, die der Interaktion unterliegen.


11.„Rituale drücken explizit die soziale Seite des „homo duplex“ aus und nicht seine psychologische.“ (S. 64 - Collins, 1988)

a.Der „Homo Duplex“ steht im Gegensatz zwischen dem persönlichen und dem kollektiven Bewusstsein. Im Ritual ist er gleichzeitig Stratege zu Selbstzwecken und tragender Teil des Kollektivs. So steht (weiter mit 12.)…


12.„Das soziale Handeln im Spannungsfeld strategischer individueller Entwürfe und sozial vorgegebener Muster, es wechselt zwischen Strategie und Ritual“ (S. 65 - Goffman)


13.„ Mit Ritualen werde nun nicht mehr das gesellschaftliche Kollektiv verehrt sondern der Individualismus“ (S. 65 - Goffman, 1974)

a.Die kollektive Reichweite von Ritualen wird so klein, dass die Rituale durch den ausgeprägten modernen Individualismus schließlich nur noch das Individuum zelebrieren. Nicht mehr das gesellschaftliche Konstrukt wird durch die Rituale hoch gehalten, sondern jedes einzelne, an den Ritualen beteiligte Individuum. Das Ergebnis einer tragenden und funktionieren Gesellschaft ist das Selbe - denn egal aus welchen Motiven ein Ritual hoch gehalten wird, die soziale Struktur bleibt in ihren Grundfesten bestehen, obgleich sie sich auch ändern kann.


14. „Der Kern der sozialen Ordnung die sich durch Interaktionen einstellt, besteht in genau der unmittelbaren Gegenwart“ (S. 65 Goffman) und „die unmittelbare Interaktion und deren situative Merkmale bilden die Grundeinheit für die Ausbildung der Strukturen der Interaktionsordnung“ (S. 66 - Goffman 1966)

a.Durch den unmittelbaren Kontakt zwischen mindestens zwei Individuen bilden sich zweierlei Strukturen aus. Die Soziale Struktur oder soziale Wirklichkeit zum einen, und, für Goffman sein Betrachtungsschwerpunkt, die Interaktionsordnung, dass syntaktische Regelwerk, das hinter jedweder Interaktion besteht. Diese Ordnung zeichnet sich durch formale Interaktionsstrukturen, die die Aufmerksamkeit der Beteiligten lenken und Kontexte bilden, die räumlich und zeitlich begrenzt sind” (S.66 - Goffman 1963)

b. „Die zeitlichen Grenzen verleihen diesen Einheiten einen episodischen Charakter, der sie gegen andere Situationen abgrenzt und ihre Eigenständigkeit auszeichnet.“


15.“Die Interaktionsordnung besteht aus jenen kleinen Räumen, die aus der Interaktion in gemeinsamer Gegenwart entstehen” (S. 67 - Goffman, 1981)

a.„Diese interaktiven Einheiten bilden gewissermaßen die formalen Räume des Alltags, in denen wir mit wirklichen Anderen verkehren. (S.67 - Goffman, 1981) Diese Räume haben einige Bedingungen:

i.Soziale Situation: Sie ist allein den nackten Sinnen der Beteiligten zugänglich. (S. 68 - Goffman)

ii.Monitoring: Zwei Personen schenken sich Aufmerksamkeit und Anteilnahme, koordinieren ihre Handlungen und offenbaren die Verletzlichkeit der Körper

iii.Handelnde: Bewegliche Einheiten („ambulatory Units“) kommen in Begegnung („contact“ oder „response presence“) durch Zusammenkünfte („Encounters“ (vom dezenten Ignorieren bis zur fokussierten Interaktion)


16.„Allen Interaktionen haften wesentliche Züge des kommunikativen Handelns an“ (S. 69 - Goffman, 1981)

a.Kommunikation im weiteren Sinne: Alle Anzeichen durch Handlung von Personen bei der es eine Nicht-Übereinstimmung zwischen Interpretation & wirkliche Intention gibt.

b.Kommunikation im engeren Sinne: „Äußerungen werden im wesentlichen durch den sozialen Kontext beschränkt: das in kommunikativen Vorgängen angehäufte Hintergrundwissen, die gemeinsam wahrnehmbare Umgebung und das gemeinsam unterstellte Wissen“ (S. 69 - goffman, 1983)


17.Interaktionsordnung und Sozialstruktur haben unterschiedliche Regeln (S. 70 - Goffman)


18.„Schnittstellen zwischen Interaktionsordnung und Gesellschaftsstruktur liegen dort, wo Handlungen, Personal oder Sinn sozialer Situationen Auswirkungen auf die Organisation der Gesellschaft haben.“ (S. 70 - Goffman)

a.Beide Wege der gegenseitigen Beeinflussung sind möglich

b.„Im fortwährenden Versuch, Statusmerkmale (Soziale Struktur) aus der Dienstleistungsbeziehung (Interaktionsordnung) auszuschließen, versuchen die Beteiligten selbst, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass diese Prinzipien gelten“ (S. 70-71 - Goffman). Täten die Beteiligten dies nicht, würde sich die Struktur über kurz oder lang verändern.


19.„Es gibt lediglich eine „lose Koppelung“ interaktiver Praktiken und sozialer Strukturen“ (S. 71 - Goffman)

a.Hier ist der Einfluss ritualisierter Gesellschaftsereignisse gemeint, die keinen nennenswerten Einfluss auf die sozialen Strukturen haben, eben weil sie Konvention sind und den Status quo erhalten. Zugehörigkeit wird dadurch signalisiert und Struktur aufrechterhalten.


20.„Die Darstellung einer die Interaktionsordnung überschreitenden sozialen Ordnung kann genau mit den kommunikativen Mustern geleistet werden kann, die in der Interaktion selbst Verwendung finden.

a.Kulturelle Handlungsformen als Mittel der Interaktionsordnung selbst haben selbst, nach Goffman, keinen nennenswerten Einfluss auf die soziale Struktur selbst. Jedoch geschieht die Darstellung der sozialen Strukturen eben genau mit den Mitteln dieser Interaktionsordnung - den kulturellen Zeichen. „Dieses kulturelle Wissen ist in der Interaktionsordnung als Handlungshorizont wirksam“ (S. 70 - Soeffner, 1989)


21. „Zur kommunikativen Lebenswelt, die die Interaktionsordnung überschreitet und die soziale Struktur konstituiert, gehört nicht nur das Unmittelbare, sondern auch das Mittelbare (Kunst, Denkmäler…)“ (S. 71 - Knoblauch)


Fazit:Bearbeiten

Die Argumentation wirft ein spannendes Licht auf unsere kommunikative Lebenswelt. Stellt sich am Ende doch die Frage, welche Bedeutung der Inhalt von Kommunikation hat, wenn die soziale Struktur als auch die Interaktionsordnung, durch die Beziehungen zwischen den Handelnden entstehen und nicht primär durch den Inhalt. Klar ist, dass sich durch das, was in den Beziehungen zwischen Handlenden passiert, sich diese Beziehungen ändern und sich somit auch die soziale Struktur ändern kann. Der Einfluss des Inhalts bleibt aufgrund dieser Gliederung sehr gering und es bleibt für den Inhalt bei der symbolischen Rolle: Den Status quo der Strukturen haltend, jedoch nahezu impotent, die sozialen als auch die kommunikativen Strukturen zu ändern.


Literatur:Bearbeiten

- Knoblauch, Hubert. „IV. Strukturen der kommunikativen Lebenswelt“, Kommunikationskultur: die kommunikative Konstruktion kultureller Kontexte (S. 57 - 71). Berlin: de Gruyter, 1995

- http://www.klatsch-tratsch.de/