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Protokoll Interpersonale Kommunikation | Prof. Dr. Gertraud Koch

Sitzung 27.10.2008 | Bianca Binz, Julia Maertz, Barbara Zschoch

Nonverbale Kommunikation: Man kann nicht - nicht kommunizieren



Einleitend zur Veranstaltung führten die beiden Vortragenden ein Rollenspiel vor, aus dem klar hervorging, dass Kommunikation durch non-verbale Interaktion positiv sowie negativ beeinflusst werden kann. Das kann relevant für Entscheidungen sein.


Nonverbale Kommunikation, als ein Aspekt der Gelingungsbedingungen des kommunikativen Agierens, macht 93% der Kommunikation aus.


Verschiedenen Formen dieser non-verbalen Kommunikation:

| Körperkontakt:

 In verschiedensten Kulturen variieren der Gebrauch und das Ausmaß an Körperkontakten (Ting Toomey’s). 
 Sie dienen hauptsächlich dem Ausdruck von Intimität, ist aber immer abhängig von der Absicht 
 des Senders und der Duldung des Empfängers. 

| Gesichtsausdruck:

 Er übermittelt die Emotionen, wie zum Beispiel Glück, Überraschung, Angst, Ekel und Traurigkeit.

| Augenkontakt:

 Dieser spielt eine bestimmte Rolle bei der Regulierung sozialer Interaktion. 
 So wird also, wenn  keine eindringliche Kommunikation gewünscht wird, der Augenkontakt vermieden.

| Gestik:

 Gestik lässt sich nicht unterdrücken, da sie intensiver ist als Worte aber nicht grundsätzlich transparent 
 verständlich, weil ggf. regional geprägt. Es wird zwischen der primären (Intention zum Kommunizieren, z.B. Winken) 
 und der zufällige Gestik (nicht-bewusstes “Nasekratzen”) unterschieden.

| Intime Zone:

 Diese wird in vier verschiedenen Hauptzonen unterteilt: intime Familie, persönliche Freunde, weiteres 
 soziales Umfeld (Arbeitskollegen) und öffentliche Zone, umgeben von unbekanntem Publikum ( z.B. das Halten einer Rede).
 Diese verschiedenen Arten der Haltung wirken regulierend in der sozialen Interaktion und 
 besitzen eine zentrale Funktion. (Hill et all.)

| Verhalten im Raum:

 Es werden drei verschiedene Arten von Territorien unterschieden: persönliches (bekannte Umgebung), 
 familiäres (Territoriumsabgrenzung) und Stammesterritorium (Nationalitätsbewusstsein).
 

| Nonverbale Vokalisation:

 Direkte Vokalisation: Wenn  ein “Ja” durch “Mhm” als zustimmendes Instrument ersetzt wird.
 Indirekt Vokalisation: Unbewusst gebrauchte Füllwörter.

| Aussehen, Kleidung und Körperschmuck:

 “Kleidung und Körperschmuck können Auskunft über die soziale Herkunft, sowie die Person geben: 
 Geschlecht, Alter, Reichtum, Glaube etc." (Ellis/Beattie, 1986)

| Subkulturen:

 "Viele junge Leute plündern Kulturen, indem sie sich in einem Supermarkt der Stile von verschiedenen 
 Kulturen stilistische Merkmale leihen und diese in einer atemberaubenden Lässigkeit kombinieren." (Polhemus, 1994) 


Die zur Diskussion an den Kurs gerichteten Leitfragen:

Schafft Werbung Verlangen? Ist Werbung Fabrik der Identitäten?


Menschen konsumieren zum Zweck der Identitätsbildung, der Kreation eines persönlichen Images und dem Abbild einer Zugehörigkeit zu einem gewissen Lifestyle, wie auch um zu einer gesellschaftlichen Schicht zu gehören. Ist dies ein „nicht enden wollender“, sich stetig steigernder Kreislauf des “Höher-schneller-weiter” Kommens, weil Befriedigung nur durch Steigerung geschaffen werde? Die Diskussion ergänzend, führten die Vortragenden die “Burberry Fallstudie” an. Diese Studie verdeutlicht, wie eine unattraktiv gewordene Marke durch gezieltes Verbreiten der Marke, unter anderem durch öffentliche Persönlichkeiten, zunächst als Statussymbolträger und Trendmarke erfolgreich reaktiviert wurde, dann aber durch extreme Nachfrage und wegen des Schwarzmarktes seine wirtschaftliche Attraktivität rasch einbüßte, weil man mit dieser Marke Schichtzugehörigkeit nun nicht mehr verlässlich abbilden konnte. Dieses Beispiel stützt die These, dass Menschen Konsumgüter nutzen, um sich die gewünschte Identität zu erkaufen und aber auch, dass Kleidung nicht zwangsläufig Status bzw. Reichtum definieren kann.


Die These, dass Industrie definiert, welche Bedürfnisse das Individuum hat und Präferenzen schafft, wirft die Frage nach einer Definition von Bedürfnis auf und ob Werbung Verlangen schafft oder dieses lediglich aufgreift. Zuerst muss auch der Begriff der Werbung geklärt werden und darüber hinaus, ob diese eine Art der Manipulation sei. Kontextsensibilität ist ein entscheidender Aspekt in der Thematik der Werbewirkungsforschung und Beurteilung, ab wann Werbung funktioniert. Wenn die individuelle Kontextsensibilität hoch ist, reagiert man empfänglicher auf Marketingstrategien. Das heißt, wenn man gerade bewusst den Wunsch gefasst hat z.B. aktiver, sportlicher zu werden, dann funktioniert die Markteinführung von Red Bull beispielsweise erfolgreicher, als bei einem anderen mit geringerer Kontextsensibilität.


Existiert Verlangen ohne Werbung? Werbung beschreibt dieses nur, idealisiert und identifiziert es. Die medienbezogene Konsumgesellschaft mit dem primären Streben nach Innovation und Selbstinszenierung reagiert durch Innovationsdruck auf Vorspiegelung von Lebensstilen sehr empfänglich. Vorbilder, medial, sowohl als auch im persönlichen Umfeld, werden gesucht, an denen man sich orientieren kann. Basierend auf wirtschaftlicher Konsumorientierung kann man resümieren, dass nonverbale Sequenzen in Werbung dann funktionieren, wenn die Vorbilder, an denen man Stile kopiert, reflexiv tolerant sind.


Warum funktioniert Werbung in unserer Gesellschaft und in unserer Kultur, und auf welchen nonverbalen Säulen ist sie konstruiert? Werbung funktioniert dann kulturell erfolgreich, wenn ihre Symbole als nonverbale Ausdrucksmerkmale von den Rezipienten eineindeutig dechiffriert werden. Das heißt, dass z.B. ein Fisch als Zeichen Christi betrachtet wird und nicht bloß als Wassertier. Das Individuum kann diese Codierung bzw. Symbolisierung nur dann decodieren, wenn man mit diesen Codes vertraut ist. Das Umfeld, in dem diese Codierung und Symbolisierung stattfinden kann, ist ein weiterer zentraler Aspekt der Wirkungsanalyse und der damit verbundenen Hauptfrage, warum diese Tatsache in unserer Gesellschaft funktionieren kann. Wir leben in einer differenzierten Gesellschaftsform, anders als andere Länder, in denen diese Werbe- und Marketingstrategie nicht funktioniert. Die meisten Länder, in denen diese Funktion überaus gut wirken kann, haben als Staatsform die Demokratie beziehungsweise ein Staatssystem. In diesem wiederum besteht nicht nur eine Aufstiegsmöglichkeit, sondern auch die Freiheit sich zu entfalten, wodurch ein möglicher Ansporn und damit das individuelle Streben eines Individuums gewährleistet werden kann.


Podcast: "Berliner Lexikon der Alltagsgesten"

Im Kontext eines Forschungsprojektes wurden Wirkung und Gebrauch von Gesten analysiert. Als Ergebnis ließen sich folgende Punkte ablesen:

| In der Abstraktion löst sich die Geste aus ihrem Kontext heraus und standardisiert sich zum Signal.

| Gesten verändern sich mit der Evolution einer Gesellschaft, (z.B. Zeigefinger in der Wählscheibe - imaginäres Handy ans Ohr halten).

| Kinder erlernen erst relativ spät Gesten, d.h. Sprache und Mimik entstehen vor der Gestik.

| Identische Gesten haben regional verglichen oft vielfältige bzw. unterschiedliche Bedeutungen.

| Gesten sind intensiver als Sprache

| „Wer bei sich ist, gestikuliert.“