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Transculturality – the puzzling form of cultures today Einleitung

In seinem Text „Transculturality – the Puzzling Form of Cultures Today1 “ geht Wolfgang Welsch auf die Unzulänglichkeit der heute existierenden Verständnisse von Kultur ein. Er entwirft das neue Konzept der Transkulturalität und stellt es den „alten“ Konzepten wie Globalisierung, Partikularität oder Inter- beziehungsweise Multikulturalität gegenüber. Kultur als Konzept

Kultur bestimmt sich durch ihre Definition. Wird uns gesagt, dass Kultur homogen ist, unternehmen wir die entsprechenden Ausgrenzungen. Wir handeln entsprechend unseren Vorstellungen von Kultur. Die „Realität“ ist in diesem Sinne immer auch eine Konsequenz unserer Konzeption von Kultur.

Schlüsselbegriff Transkulturalität

Kulturen haben heute eine Form, die man in der Weise transkulturell nennen kann, als dass sie die Grenzen der klassischen Definition von Kultur überschritten haben. Sie sind geprägt von Vermischungen und gegenseitiger Durchdringung. Transkulturalität möchte eine Kultur und Gesellschaft haben, der es möglich ist, Übergänge zu finden und Dinge miteinander zu verbinden. Das Zusammentreffen mit anderen Kulturen soll dazu dienen, die eigene Kultur zu erweitern. Transkulturalität birgt die Möglichkeit, unseren vorbestimmten, monokulturellen Standpunkt zu erweitern. Wir können über die Beschränktheit unserer traditionellen, monokulturellen Ideen hinausgehen und ein wachsendes transkulturelles Verständnis unserer Selbst entwickeln. Vorteile des Transkulturalitäts-Konzepts

Das Transkulturalitäts-Konzept ist in der Lage, sowohl globale und lokale, universelle und partikuläre Aspekte zu berücksichtigen. Transkulturelle Identitäten haben eine kosmopolite, aber auch eine lokal verbundene Seite. Die lokale Verbundenheit wird heute noch größtenteils durch die ethnische Zugehörigkeit oder Gruppenzugehörigkeit bestimmt. Jedoch kann die Entscheidung unter Berücksichtigung der Gruppenzugehörigkeit individuell getroffen werden. Die aktuelle Heimat kann weit entfernt von der ursprünglichen Heimat sein.

„Die traditionelle Vorstellung von Kultur ist deskriptiv unbrauchbar und normativ gefährlich und unhaltbar“

Das traditionelle Kulturverständnis geht von einer in sich homogenen, nach außen geschlossenen und ethnisch einheitlichen Gesellschaft aus, vergleichbar mit einem kleinen Inselvolk. Durch sozioökonomische (vertikale) und lebensstilbezogene (horizontale) Unterschiede ist eine homogene Gesellschaft nicht mehr gegeben. Das heißt, unsere Gesellschaft besteht nicht nur z.B. aus Bauern, die alle relativ gleich gut gestellt sind. Es gibt Handwerker, Landwirte, Angestellte, Manager usw. Aber auch hinsichtlich Wertvorstellungen ist unsere Gesellschaft nicht einheitlich. Es gibt Konservative, Liberale, religiös Motivierte, Sozialisten,E die nebeneinander und meistens friedlich miteinander leben. Auch eine ethnische Einheitlichkeit ist nicht gegeben. Fraglich ist, ob sie jemals existiert hat, denn Migrationsbewegungen gibt es schon seit tausenden von Jahren. Eine kulturelle Abgrenzung nach außen ist nicht möglich, sie würde, normativ betrachtet, zu „kulturellem Rassismus“ führen. Deshalb ist Ausländerhass hauptsächlich projizierter Selbsthass. Ein Fremder wird verurteilt für Dinge, die man an sich selbst nicht mag, ohne dies zuzugeben. Jedoch sollten die "fremden" Elemente in uns erkannt werden. Unsere Identität besteht zu einem großen Teil aus "fremden" Elementen. Erst wenn uns diese Fremdheit bewusst ist, erkennen wir auch die Ähnlichkeiten mit äußeren Fremdheiten an.

„Wenn Kulturen immer noch, wie die Konzepte Multikulturalität und Interkulturalität vorgeben, in Form einzelner Inseln oder Sphären vorkämen, könnte man die Probleme des Zusammenlebens weder lösen noch loswerden.“ Interkulturalität sucht nach Lösungen für Konflikte, die zwischen Kulturen entstehen. Das Problem hierbei ist, dass Probleme zwischen Kulturen eine Folge des traditionellen Verständnisses von Kultur sind. Nach dieser Vorstellung müssen sie sich gegenseitig ignorieren oder bekämpfen. Das Konzept der Multikulturalität ist dem der Interkulturalität sehr ähnlich, jedoch beschäftigt es sich nicht mit den Konflikten zwischen Kulturen aus zwei unterschiedlichen Gesellschaften, sondern mit Konflikten zwischen verschiedenen Kulturen innerhalb einer Gesellschaft. Mit dem traditionellen Verständnis von Kultur ist jedoch auch dieses Konzept nutzlos. Denn demzufolge ist eine Kommunikation über die Grenzen einer Kultur nichtmöglich. Mehrere Kulturen innerhalb einer Gesellschaft würden so zu einer Ghettoisierung führen.

"Kulturelle Determinanten sind heute – von gesellschaftlicher Makroebene bis zur individuellen Mikroebene – transkulturell geworden." Transkulturalität ergibt sich erstens aus der inneren Differenzierung und Komplexität der Gesellschaft. Außerdem sind verschiedene Kulturen heute im Laufe der Globalisierung von Wirtschaft und Kommunikationstechniken sehr stark miteinander verflochten. Weiter gibt es auf der Welt heute nur noch wenige Dinge, die einem anderen fremd oder beängstigend vorkommen könnten. Fast alles ist überall in relativ kurzer Zeit erhältlich, egal ob dies Waren oder Informationen sind. Das Internet macht Informationen in Sekundenschnelle überall auf der Welt verfügbar. Wir stehen heute nicht vor der ausschließlichen Wahl zwischen Wiener Schnitzel und Bratwurst. Egal ob italienisch, türkisch, indisch, chinesisch oder amerikanisch – Wir kennen in gewisser Weise die Speisekarten der ganzen Welt. Auch individuelle Identität ist nicht mehr an die Nationalität gebunden, wir stellen unsere Identität nach unseren eigenen Vorstellungen zusammen. Dabei übernehmen wir Vorstellungen aus verschiedenen Kulturkreisen und fügen sie zu unserer Identität zusammen. Ein Hinduist mit italienischer Mutter und ägyptischem Vater, der einen deutschen Pass hat, würde heute nicht mehr als Exot angesehen werden. „Transkulturalität ist – historisch gesehen – keine neue Entwicklung.“ Zum einen wurden kulturelle Höchstleistungen schon immer dort vollbracht, wo verschiedene Kulturen aufeinandertrafen und sich gegenseitig „befruchteten“. Welsch nennt als Beispiel den Rhein, an dessen Ufern besondere Menschen wie Goethe, Beethoven, Gutenberg oder Mathias Grünewald aufwuchsen. Zum anderen wurden Errungenschaften auch aus anderen Kulturen und Nationen übernommen. Beispiele sind Baustile wie Gotik oder Renaissance, Gewürze aus Asien, das Römische Rechtssystem, die christliche Religion oder Französisch als Hof- und Gelehrtensprache. Auch bekannte Philosophen wie Nietzsche oder Wittgenstein unternahmen bereits Versuche, die Transkulturalität genauer zu beschreiben. Das transkulturelle Verständnis Nietzsches: er entwickelte die generelle Formel des „Subjekts als Vielzahl“. Die Europäer werden sich durch kulturelle Vermischung immer ähnlicher und distanzieren sich von den Bedingungen unter denen ihre jeweilige Nationalität einst geformt wurde (z.B. Klima). Das transkulturelle Verständnis Wittgensteins: Sein transkulturelles Konzept basiert auf pragmatischen Prinzipien, die frei von ethnischer Konsolidierung und unbegründeten Forderungen nach Homogenität sind. Nach Wittgenstein findet Kultur immer dort statt, wo Gewohnheiten und Bräuche im Leben geteilt werden. Nicht das Verständnis fremder Kulturen ist wichtig, sondern der Austausch mit ihnen. Kultur im Wittgenstein’schen Sinne ist, durch ihre Struktur, offen für neue Verbindungen und weitere Ausprägungen der Integration.

„Keine Uniformität sondern neue Vielfalt nach transkulturellem Muster“ Das Konzept der Transkulturalität ist nicht gleichbedeutend mit der Akzeptanz einer immer homogener werdenden Kultur und der Entstehung einer uniformierten Weltbevölkerung. Transkulturalität ist sogar eher intrinsisch mit der Produktion von Vielfalt verbunden. Im Zusammenhang mit dem Konzept der Transkulturalität hat sich jedoch der Begriff der Vielfalt geändert. Vielfalt, wie sie bisher in Form einzelner Kulturen auftrat, verschwindet tatsächlich. Stattdessen bildet sich ein neuer Typ von Vielfalt heraus – die Vielfalt verschiedener Kulturen und Lebensformen, jede entstehend durch transkulturelle Durchdringung. Verschiedene Gruppen von Individuen prägen das transkulturelle Muster unterschiedlich. Die transkulturellen Netzwerke unterscheiden sich deshalb bereits in ihrer Entstehung, und noch mehr in ihrer Struktur. Die transkulturellen Netze sind mit verschiedenen Fäden und in unterschiedlicher Art gesponnen. Daraus resultiert ein hoher Grad an kultureller Vielfältigkeit. Nur sind nun die Unterschiede nicht mehr als Gegenüberstellung klar abgegrenzter Kulturen erkennbar (wie in einem Mosaik) sondern es gibt Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten, Überlappungen und Unterschiede – alles zur selben Zeit. Differenzierung wird komplexer, gleichzeitig aber auch rein kulturell, da sie nicht länger von Geographie oder Umwelt abhängig ist, sondern ein purer, kultureller Austauschprozess. Dieser neue Typ der Differenzierung bevorzugt also schon aus seinem Wesen heraus Koexistenz statt Kampf gegeneinander.

„Die Globalisierungs- und Partikularitätsdiagnose ist unzureichend“ Globalisierung bedeutet, dass Kulturen in der ganzen Welt einander gleich werden. Sie ist ein Konzept der alleinigen Uniformisierung. Gleichzeitig findet aber auch das komplementäre Wiederaufleben von weltweiten Partikularitätsinteressen statt. Das Globalisierungs – Konzept ist jedoch nicht in der Lage, diese gegenseitigen Strömungen miteinander zu vereinbaren. Vom Standpunkt der Globalisierung ist Partikularität nur ein rückwärtsgerichtetes Phänomen, das verschwinden wird. Sie kann jedoch nicht ignoriert werden. Der „Zurück-zu-den-Wurzeln“ Trend beeinflusst die moderne Welt genauso wie der Trend einer „Welt-Gesellschaft“. Partikularität wird von Globalisierung hervorgerufen. Sie führt zu einer gefährlichen Situation, da ihre Anhänger oft den Appell zur kulturellen Identität aussprechen, was zu Rassismus, Säuberungsaktionen und Krieg führt. Das Bedürfnis der Menschen nach einer individuellen Identität sollte jedoch untersucht werden. Anscheinend ist nicht jeder damit zufrieden, sich der Uniformität der Globalisierung hinzugeben. Man möchte nicht nur universell oder global sein, sondern auch besonders und eigenständig. Man möchte sich voneinander unterscheiden und sich selbst als gut eingebettet in seine eigene Identität sehen. Zukünftige kulturelle Formen werden den Wunsch nach Individualität befriedigen.

Fazit

Das alte Kulturkonzept spiegelt nicht mehr ausreichend die heutigen Bedingungen wider. Das Konzept der Transkulturalität wirft ein neues Licht auf die Beziehungen zwischen Kulturen, nicht eines von Isolation und Streitigkeiten, sondern innere Verschränkung, Vermischung und Gemeinsamkeit. Es fördert keine Spaltung, sondern Austausch und Beeinflussung. Wenn die gegebene Diagnose stimmt, werden politische, soziale, wissenschaftliche und lehrende, artistische und künstlerische Aufgaben nur mit einer maßgeblichen Wendung zur Transkulturalität gelöst werden können

Kritik Welsch gibt das Konzept der Transkulturalität vor, es lassen sich daraus aber nur schwerlich konkrete Handlungsvorschläge ableiten. Die Implementierung bleibt unklar, was zu Problemen führen kann. Transkulturalität könnte sich im schlechtesten Falle nur als ein auf dem Papier existierendes Konzept herausstellen. Ein weiterer Punkt ist, dass das Konzept der Transkulturalität zwar beschrieben wird, Welsch aber keine möglichen Gegentrends beschreibt. So haben wir doch, wie er auch selbst erklärt, beispielsweise bei dem Konzept der Globalisierung einen Gegentrend, nämlich den der Partikularisierung. Wie solch ein möglicher Gegentrend bei der Transkulturalität aussehen würde, bzw. wieso genau bei diesem Konzept kein Gegentrend entstehen sollte, erklärt Welsch nicht.