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1. Klassifikation von Sprache

Pierre Bourdieu untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Habitus eines Menschen und dessen Sprache. Er stellte dabei fest, dass die verschiedenen sozialen Habitus sich sehr häufig in ihrer Sprache unterscheiden. Selbstverständlich lassen sich Unterschiede in den verschiedenen Kulturen, Gesellschaften und Sprachen feststellen. Dabei stellt sich die Frage, ob sich diese Unterschiede aus der Sprache ergeben oder ob die soziale Struktur in der Gesellschaft die Sprache beeinflusst. Vergleicht man zum Beispiel mit Neuseeland und England zwei englischsprachige Länder mit sehr unterschiedlichen sozialen Strukturen, die Kluft zwischen Arm und Reich ist in England wesentlich höher als in Neuseeland, so wäre es interessant zu untersuchen, ob sich durch diese größeren Unterschiede zwischen den Schichten auch die Unterschiede zwischen den Sprachen der Habitus stärker unterscheiden.

2. Die Bedeutung von Wörtern

Die Bedeutung von Wörtern verändert sich durch den sozialen Kontext in dem Sie verwendet werden. Es kann hier zu Widersprüchlichkeiten kommen und im Extremfall sogar zu absolut gegensätzlichen Bedeutungen. Dieses Phänomen gilt natürlich insbesondere bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen, aber auch innerhalb einer Kultur kann das gleiche Wort für zwei Menschen unterschiedliche Bedeutung haben. Das liegt daran, dass die Menschen Sprache nach ihren eigenen Erfahrungen und Einstellungen interpretieren. Daraus ergibt sich, dass sowohl Empfänger wie auch Sender unbedingt beachten müssen aus welchem sozialen Kontext (Religion, Kultur, soziale Schicht usw.) ihr Gesprächspartner entstammt, um eine erfolgreiche Kommunikation zu gewährleisten.

3. Sprache als Macht

Die richtige und erfolgreiche Verwendung von Sprache kann zu Vorteilen gegenüber anderen Menschen und somit zu Machtgewinn führen (symbolische Herrschaft). Die Geschichte weist zahllose Beispiele von Menschen auf, die auch mit der Hilfe von Sprache, den Lauf der Welt verändert haben, wenn auch nicht immer zum positiven. Doch nicht nur in der politischen Rhetorik, sondern auch im alltäglichen Leben spielt Sprache eine herausragende Rolle. Zum Beispiel drückt ein Arzt gegenüber seinem Patienten durch die Verwendung der medizinischen Fachsprache Kompetenz aus und verdeutlicht somit seine Überlegenheit in medizinischen Fragen.

4. Ökonomische Perspektive

Pierre Bourdieu hat in seinen Untersuchungen Sprache aus einer ökonomischen Sicht betrachtet, um so neue Erkenntnisse über die Sprache als wichtiges kommunikatives Medium zu gewinnen. Er verwendete unter anderem den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage auf die Sprache und stellte dabei fest, dass erfolgreiche Verwendung von Sprache nur dann möglich ist, wenn beim Empfänger auch ein Bedarf, also eine Nachfrage, nach Kommunikation besteht. Ist dies nicht der Fall, sind alle Bemühungen des Senders für eine erfolgreiche Kommunikation sinnlos.