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Interpersonale Kommunikation – Prof. Dr. phil. Gertraud Koch 6. Veranstaltung: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation (17.02.2009) Gruppe A – A. Bakhos, K. Deimel, J. Dreher

Thesenpapier Niklas Luhmann Was ist Kommunikation / Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation


Was ist Kommunikation?


I

Nur Kommunikation kann kommunizieren.

Die Soziologie muss grundlegend zwischen Kommunikation und Handeln unterscheiden. Ein Individuum kann zwar handeln. Kommunikation entsteht aber erst in der Interaktion mit anderen Individuen, wenn eine Information Alters von Ego als Mitteilung verstanden wird.


II

Kommunikation ist eine emergente Realität, die durch die Synthese dreier Selektionen zustande kommt: Information, Mitteilung und Verstehen.

Die Mitteilung einer Information alleine ist noch keine Kommunikation; erst wenn Ego die bloße Information und die Intention, die hinter Alters Mitteilung steckt, als getrennte Selektionen – also die Differenz von Mitteilung und Information – versteht, kommt Kommunikation zustande. Ansonsten liegt bloße Wahrnehmung vor. Diese ist nicht ohne weiteres anschlussfähig, da sie lediglich im Bewusstsein eines Individuums besteht. Sie bleibt dem Kommunikationssystem und damit jedem anderen Bewusstsein verschlossen, bis sie durch kommunikative Akte eingebracht wird.

Die Information kann insofern als Selektion verstanden werden, als dass sie zwischen dem unterscheidet, was gesagt wurde und dem, was dadurch ausgeschlossen bleibt. Die Information, dass es regnet schließt z.B. aus, dass die Sonne scheint.

Die Mitteilung ist eine Selektion dessen, welche Informationen aus einem individuellen Informationsschatz weiter kommuniziert werden. Ego teilt Alter nicht alles mit, was er in mit seinem Bewusstsein wahrnimmt.

Das Verstehen selektiert eine bestimme Differenz zwischen Information und Mitteilung und schließt damit andere Möglichkeiten aus. Ego versteht z.B., dass Alter ihn nur im Vorbeigehen begrüßt, weil er über ihn verärgert ist und nicht weil er einen dringenden Termin hat. Dabei kann es durchaus auch zu Missverständnissen kommen; grundlegend für das Zustandekommen von Kommunikation ist ausschließlich das Verstehen der Differenz zwischen Information und Mitteilung.

Über die Realisation der Kommunikation hinaus, ermöglicht das Verstehen außerdem die Kommunikation über die Kommunikation (Metakommunikation). So kann, wenn etwas nicht verstanden wird, durch Rückfragen und darauf folgende Erläuterungen die Kommunikation fortgesetzt werden.


III

Das Kommunikationssystem pulsiert mit einer ständigen Erzeugung von Überschuss und Selektion.

Bisherige Ansätze für eine Theorie der Kommunikation gehen von einem handlungsorientierten Verständnis derselben aus: Kommunikation wird als eine gelingende oder misslingende Übertragung von Informationen zwischen Sender und Empfänger verstanden. Der systemtheoretische Ansatz Luhmanns betont hingegen die Emergenz der Kommunikation. Demnach wird durch Kommunikation Redundanz erzeugt, indem Informationen innerhalb der Gesellschaft kommuniziert werden. Das allgemeine Gedächtnis wird ständig erweitert. Da Information produziert und nicht übertragen wird (Wenn Alter dem Ego etwas mitteilt, gibt er die Information nicht an Ego ab; er verliert sie nicht), entsteht ein Überschuss an Information, aus dem jedes Individuum wiederum für ihn Relevantes selektiert. Das System pulsiert.


IV

Der Zweck der Kommunikation ist die „doppelte Kongruenz“.

Die Auffassung, Kommunikation habe einen bestimmten Zweck, impliziert, dass begründet werden müsste, warum das Kommunikationssystem nach Erreichen dieses Zweckes weiterexistieren sollte; es sei denn, man setzt den Tod als Zweck und damit auch das Ende der Kommunikation.

Ein möglicher Zweck wurde von Habermas im Konsens definiert. Luhmann führt dagegen an, man könne auch kommunizieren um Dissens zu erreichen, um sich über einen Sachverhalt zu streiten. Worauf die Kommunikation letztlich hinausläuft hängt von Themen und Partner ab. In jedem Fall aber führt jede Kommunikation letztlich zu der Frage, ob sie angenommen oder abgelehnt wird. Durch diese Bifurkation wird eine Entscheidung zwischen beiden Alternativen erzwungen. Es muss eine Reaktion erfolgen, und sei dies auch nur die Entscheidung für den expliziten Abbruch der Kommunikation. Hierin liegt die Autopoiesis des Kommunikationssystems, die sich ihre Fortsetzbarkeit selbst garantiert.



Kommunikation garantiert sich durch die Autopoiesis selbst ihre Fortsetzbarkeit.

Das ständig bestehende Risiko der Ablehnung führt hier zum Aufbau solcher Institutionen wie z.B. Macht, Geld und Liebe (symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien), welche die Annahmebereitschaft selbst in unwahrscheinlichen Kommunikationen noch sicherstellt.

Zu der oben beschriebenen Bifurkation kommt es unausweichlich bei allem, was kommuniziert wird. Die einzige Ausnahme bildet hierbei die Welt. Innerhalb dieser spielen sich jegliche Prozesse ab; sie kann nicht abgelehnt werden, da sie Bedingung für jegliche Kommunikation – eben auch Ablehnung an sich – ist.


V

Werte erhalten ihre Geltung durch Unterstellung. Wer gegen sie argumentieren möchte, muss ein hohes Maß an Komplexität und Argumentationslast übernehmen.

Werte sollen eine gemeinsame Basis der in der Gesellschaft produzierten Kommunikation liefern. Es wird vorausgesetzt, dass gewisse Werte (z.B. Frieden) von allen geteilt werden; sie werden in der Kommunikation impliziert und funktionieren solange sie nicht auf Einwände oder Zweifel stoßen. Da sie allerdings in der Gesellschaft in hohem Maße institutionalisiert sind, müssen solche Einwände und Zweifel sehr gut argumentiert werden. Das Problem, dass sich aus ihrer allgemeinen Wertorientierung und ihrem hohen Abstraktionsgrad ergibt, ist, dass sie keine Orientierung für konkretes Handeln bieten können.


VI

Psychische und soziale Systeme stellen in sich geschlossene, autopoietische Systeme dar, die füreinander intransparent aber trotzdem interdependent sind.

Luhmanns Ansatz betont die Differenz von psychischen und sozialen Systemen. Während die psychischen auf dem Bewusstsein des Menschen basieren, bildet Kommunikation die Grundlage sozialer Systeme. Beiden ist jedoch gemein, dass sie in sich geschlossene, autopoietische Systeme darstellen. Dies heißt jedoch nicht, dass sie unabhängig voneinander koexistieren. Ohne psychische Systeme gäbe es auch keine sozialen Systeme.

Allerdings sind beide Systeme füreinander intransparent. Wäre dem nicht so, bestünde die Notwendigkeit der Kommunikation erst gar nicht, da sich das den sozialen Systemen eigentlich verschlossene Bewusstsein der psychischen Systeme öffnen würde. Um kommunizieren zu können, müssen die Bewusstseinsstrukturen der Individuen zwar nicht bekannt sein; allerdings muss eine gewisse Verständnisbasis gegeben sein, um der Kommunikation eine Anschlussmöglichkeit zu gewähren.

Manchmal ist es nicht möglich, die Gedanken, die Bilder, sprachlich zu kommunizieren, wie sie im Bewusstsein bestehen. Außerdem kann lange nicht alles, was sich in den Gedanken abspielt, auch mitgeteilt werden – der Mensch denkt schneller, als er spricht. Im Laufe seines Lebens entwickelt jedes Individuum bestimmte Kommunikationsschemata (z.B. bestimmte Wörter, die es immer wieder benutzt). Sie haben Einfluss auf die Wirkung des Gesagten.


Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation


I

Es gibt zwei Ausgangspunkte zur Aufstellung einer wissenschaftlichen Theorie über die Kommunikation.

1. Es wird die Frage nach den Möglichkeiten der Verbesserung von Kommunikation gestellt. Hierbei handelt es sich um eine praktische Herangehensweise; bestehende Verhältnisse sollen verbessert werden.

2. Nach Luhmann ist Kommunikation unwahrscheinlich. Es muss deshalb zunächst theoretisch hinterfragt werden, wie Kommunikation überhaupt zustande kommen kann, d.h. wie diese Unwahrscheinlichkeit in Wahrscheinlichkeit transformiert werden kann.


II

Kommunikation ist unwahrscheinlich.

Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation nehmen wir in unserem Alltag nicht wahr. Um sie dennoch zu begreifen, muss Kommunikation nicht als bloßes Phänomen betrachtet, sondern als Problem hinterfragt werden. Dabei stößt man auf drei Faktoren, die das Zustandekommen von Kommunikation unwahrscheinlich machen:

1. Verstehen Es ist unwahrscheinlich, dass Alter versteht, was Ego meint, da er dessen Aussage innerhalb seiner Wahrnehmung, also an einen individuellen Kontext gebunden, auffasst.

2. Erreichen Es ist unwahrscheinlich, dass Kommunikation den Kreis der unmittelbar Anwesenden überschreitet.

3. Erfolg Es ist unwahrscheinlich, dass Alter das, was Ego kommuniziert, annimmt, also als Prämisse eigenen Handelns übernimmt.

Diese drei Faktoren sind nicht nur Hindernisse für das Ankommen einer Kommunikation beim Adressaten sondern können auch dazu führen, dass Kommunikation von vorne herein unterlassen wird, wenn sie als aussichtslos erachtet wird. Da Kommunikation jedoch für den Aufbau sozialer Systeme unabdingbar ist, müssen die Unwahrscheinlichkeiten trotzdem überwunden werden. Selektiv werden jedoch nur solche Systeme aufgebaut, bei denen die Aussicht auf eine solche Überwindung überhaupt besteht.

Kommunikation kann nicht auf direktem Wege durch ein Lösen der einzelnen Probleme nacheinander verbessert werden.

Problematisch ist bei der Transformation der drei Unwahrscheinlichkeitsfaktoren, dass diese sich wechselseitig verstärken. So kann zum Beispiel aus einem verbesserten Verständnis die Anzahl der Gründe, eine Kommunikation abzulehnen, erhöht werden. Die Verbreitung durch Schrift hat wiederum zur Folge, dass die Annahme von Kommunikation unwahrscheinlicher wird: Ego muss mit der Sache selbst argumentieren, um Alter zu überzeugen. Er kann sich keiner artikulatorischen oder vokalen Mittel bedienen, um seine Aussage zu unterstützen und Alter in diesem Sinne zu beeinflussen.


III

Die Transformation der Unwahrscheinlichkeiten in Wahrscheinlichkeiten erfolgt durch (Massen-)medien.

1. Sprache Die Sprache bearbeitet die Unwahrscheinlichkeit des Verstehens. Nach Luhmann ist Wahrnehmung per se nicht gleich zu setzen mit Kommunikation, also der Unterscheidung zwischen Information und Mitteilung. Diese Unterscheidung wird erst durch sprachliche Artikulation eindeutig: es wird versichert, dass die Mitteilung eine kommunikative Intention verfolgt. Dabei werden bestimmten Inhalten allgemein bestimmte Lautsequenzen zugeordnet, die einen gemeinsamen Code zum Ausdrücken sowohl von Wahrnehmbarem als auch von nicht anwesenden oder unmöglichen Dingen und somit eine Basis für Verständnis und anschließende Kommunikation gewährleistet.

2. Verbreitungsmedien Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, den Kreis der unmittelbar Anwesenden zu überschreiten, wird durch Verbreitungsmedien (z.B. Schrift) reduziert. Zum einen können sie das Gedächtnis der Gesellschaft immens erweitern, d.h. Informationen für eine breite Masse zugänglich machen. Andererseits schränken sie jedoch durch ihre selektive Wirkung auch ein, was zur weiteren Kommunikation zur Verfügung steht: nicht alles, was jemals mündlich kommuniziert wurde, wird auch von Verbreitungsmedien erfasst, festgehalten und verbreitet.

3. Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien Die Möglichkeit der Fernkommunikation durch Verbreitungsmedien wirkt sich negativ auf die Annahmewahrscheinlichkeit aus (denn warum sollte man Prämissen eines Unbekannten annehmen?). Die Erfolgsgarantien, die in einem System direkter Interaktion gegeben sind, versagen in diesem Fall also. Im Zuge einer sich immer weiter ausdifferenzierenden Gesellschaft haben sich für deren wichtigsten zivilisatorischen Bereiche so genannte Subsysteme gebildet, innerhalb derer diese Erfolgsgarantien durch ein jeweils spezifisches symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium ersetzt werden. Im System Politik nimmt Ego z.B. Alters Befehl an, eine Strafe zu zahlen, weil dieser Macht besitzt. Macht fungiert in diesem System also als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium. Egos Annahme muss dabei nicht mit seiner inneren Zustimmung einhergehen. Sie erhöht lediglich die Erfolgsbedingungen für weitere Kommunikation.

Die Beschleunigung der Veränderung nimmt zu. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit der Überwindung von Unwahrscheinlichkeiten.

Die zunehmende Differenzierung und Spezifikation ist eine Entwicklung, die in der heutigen Gesellschaft an Geschwindigkeit zunimmt. Der Kult des „Neuen“, der durch die Massenmedien suggeriert wird, trägt zu diesem Prozess nicht unwesentlich bei.


IV

Das Handeln eines Individuums muss immer in einen Handlungskontext gestellt werden.

Ein System kann man im Prinzip als die Unwahrscheinlichkeit, die in eine Wahrscheinlichkeit transformiert wurde, begreifen. Da also unabdingbar ein Zusammenhang zwischen dem Prozess der Transformation und dem differenzierten System der Gesellschaft besteht, können beide nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Um die gesellschaftlichen Folgen der Auswirkungen der Massenmedien auf das individuelle Verhalten adäquat erfassen zu können, muss das Handeln des Individuums im Kontext des gesellschaftlichen Teilsystems, innerhalb dessen es erfolgt, betrachtet wird. Zum einen müssen dazu die Veränderungen der Verbreitungsmöglichkeiten und deren unterschiedliche Auswirkung auf die verschiedenen Funktionssysteme betrachtet werden, zum anderen die Wirkungen, die die beiden Bereiche aufeinander haben. Die Selektionsrahmen der Individuen zur Informationsaufnahme werden durch die Funktionssysteme, an denen sie teilhaben, bestimmt. Da das Forschungsfeld dieses jedoch Bereiches sehr weit ist, führt Luhmann in seinem Text drei Beispiele an, um einige der möglichen Fragestellungen zu belegen.

1. Systematisierung bedeutet die Umwandlung von Unwahrscheinlichkeiten in Wahrscheinlichkeiten und damit die Erhöhung von Kommunikationschancen. Aus dieser Logik heraus ergibt sich durch die funktionale Aufgliederung eine Notwenigkeit für ein Kommunikationsmedium innerhalb des Teilsystems. Allerdings werden die Chancen wahrscheinlicher Kommunikation nicht in jedem Teilsystem gleichermaßen gefördert; es bildet sich nicht immer ein universelles, effizientes Medium heraus, das Unwahrscheinliches in das routinemäßig Erwartbare umwandelt. In einigen Bereichen treten bereits innerhalb einfacher Interaktionssysteme entmutigende Schwellen auf. 2. Rückwirkungen eines Fortschritts im Bereich der Verbreitungstechnik können, wie z. B. beim Buchdruck, eine Verschiebung der gesamten gesellschaftlichen Struktur bedeuten und damit neue Ausgangspunkte für Operationen der Funktionsbereiche bilden. Die Selektion aus der erweiterten Semantik wird dadurch aber auch erschwert. Voraussetzungen für Operationen können von Massenmedien beeinflusst werden. Deshalb müssen auf jedem neuen Entwicklungsniveau institutionelle Lösungen neu einbalanciert werden. Ob dabei eine zufrieden stellende Lösung möglich ist, stellt Luhmann in Frage.

3. Prämissen, mit denen Massenmedien in die Kommunikationsinteraktion treten, können auf die Konsumenten übertragen werden. Die Rolle der Massenmedien darf dabei allerdings nicht überbewertet werden. Sie beeinflussen die Einstellungen und Handlungsbereitschaften der Individuen nicht mehr und nicht weniger als andere Funktionssysteme auch.


Fazit


Luhmann unterscheidet in seiner Kommunikationstheorie strikt die Wahrnehmung von der Kommunikation. Demnach kommt Kommunikation erst dann zustande, wenn die Differenz zwischen Mitteilung und Information verstanden wird. Sie kann ausschließlich über soziale Systeme erfolgen. Das so entstehende Kommunikationssystem reproduziert sich durch Redundanzenaufbau und Selektion ständig selbst. Seine Autopoiesis wird dadurch gesichert, dass jede Kommunikation zwangsläufig zu einer Entscheidung über Annahme oder Ablehnung führt. Anders als Habermas und viele Kommunikationstheoretiker bislang spricht Luhmann der Kommunkiation jedoch jeglichen Zweck ab. Die klare Unterscheidung zwischen psychischen und sozialen Systemen, die Luhmann vornimmt, bedeutet nicht, dass beide unabhängig voneinander koexistieren. Vielmehr bedingen sie sich gegenseitig, wobei sie füreinander intransparent sind.

Obwohl dies in der heutigen Gesellschaft unsichtbar geworden ist, geht Luhmann davon aus, dass Kommunikation an sich unwahrscheinlich ist. Dies wird durch die drei Faktoren der Unwahrscheinlichkeit des Verstehens, des Erreichen und des Erfolges bedingt wird. Um dennoch soziale Systeme aufzubauen, gilt es diese Unwahrscheinlichkeiten in Wahrscheinlichkeiten zu transformieren. Luhmann führt für diesen Prozess die drei (Massen-)medien Sprache, Verbreitungsmedien und symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. Letztere haben sich erst im Zuge einer sich immer weiter differenzierenden Gesellschaft entwickelt, um die Kommunikation innerhalb der so entstehenden Subsysteme zu vereinfachen. Das Problem, dass sich bei dem Transformationsprozess allerdings ergibt, ist, dass sie sich wechselseitig bedingen; die Überwindung einer Unwahrscheinlichkeit führt zur Vernachlässigung einer anderen. Letztlich kann ein System als eine überwundene Unwahrscheinlichkeit betrachtet werden. Das Handeln des Individuums muss stets im Kontext des gesellschaftlichen Systems betrachtet werden, welches seine Selektionsrahmen bestimmt.


Kritik

Ein grundlegendes Problem, welches allgemein im Bereich der Systemtheorie anzuführen ist, lässt sich in der unzureichenden Definition es Systembegriffes anführen. Der hohe Abstraktionsgrad seiner Theorie macht es dem Leser außerdem nicht immer einfach, Luhmann sehr theoretischen Gedankengängen zu folgen und sie zu verstehen. Er beschreibt ausführlich und detailliert, bietet allerdings nur wenige Lösungsansätze. Zudem fehlt eine kritische Distanzierung zu seinen aufgestellten Thesen.